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INCB-Jahresbericht 1998 Hamid Ghodse, 90 Jahre internationale Drogenkontrolle Wien, 23. Februar 1999 (UNO-Informationsdienst) -- Zur Jahrhundertwende sollten wir einen Blick zurückwerfen und uns fragen, wie erfolgreich wir auf die Herausforderungen des letzten Jahrhunderts reagiert haben. Zugleich sollten wir uns den Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts stellen. Während dieses Jahrhunderts war die internationale Drogenkontrolle ein recht erfolgreiches Unternehmen. Die unbeschränkte Verfügbarkeit von Opium und anderen Drogen am Ende des vergangenen Jahrhunderts führte zu beispiellosen Ausmaßen des Drogenmißbrauchs: so rauchte mehr als ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung Chinas Opium. Sogar Opiumhöhlen waren in Europa nichts Ungewöhnliches. Mit den zerstörerischen gesundheitlichen und sozialen Folgen der unbeschränkten Verfügbarkeit von Drogen konfrontiert, erkannte man, daß die nationale und lokale Gesetzgebung für sich selbst nicht genügten, sondern eine internationale Zusammenarbeit unbedingt notwendig war. 1909 wurde in Schanghai die erste internationale Drogenkonferenz abgehalten. Die Annahme der Internationalen Opiumkonvention im Jahre 1912 legte den Grundstein für das moderne internationale Drogenkontrollsystem. Seitdem wurde es auf internationalem Konsens basierende andere Suchtstoffe und psychotrope Substanzen sowie deren chemische Vorläufersubstanzen ausgeweitet, die bei der Drogenherstellung verwendet werden. Das Prinzip aller internationalen Drogenkontrollverträge ist die Beschränkung international kontrollierter Substanzen auf den rechtlich zulässigen Gebrauch - im Falle von Drogen sind dies medizinische und wissenschaftliche Zwecke. Der Rat überwacht die Regierungsmaßnahmen und stellt so die Umsetzung der Konventionen wort- und sinngemäß sicher. Heute werden die zugelassenen Suchtstoffe beinahe überall auf der Welt wirksam kontrolliert. Diese Kontrolle umfaßt alle Phasen von der Produktion, über die Herstellung, den Handel, die Verteilung und den Konsum. Es gibt praktisch keine Abzweigung legal hergestellter Suchtstoffe in den illegalen Handel, obwohl die Zahl und die Menge der Substanzen, die international kontrolliert werden, beträchtlich ist. Die Kontrolle der psychotropen Substanzen zeigt ähnliche Ergebnisse. Ohne diese Kontrollen hätte die epidemieartige Verbreitung der Drogen, die in einigen Ländern bestand, in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts angehalten und auf andere Länder übergegriffen. Ungeachtet der beträchtlichen und sichtbaren Erfolge der internationalen Drogenkontrolle gibt es weiterhin viele Herausforderungen. Eine von ihnen ist die Sicherstellung der Verfügbarkeit von Drogen für anerkannte medizinische Zwecke. Morphium, Codein und andere Opioide sind zum Beispiel von grundlegender Bedeutung für die Minderung von Schmerzen, sind aber nicht immer für diejenigen zugänglich, die sie benötigen. Andererseits werden offensichtlich in einigen Ländern bestimmte psychotrope Substanzen zu oft und zu lange verschrieben. Eine derartige überverschreibung geht Hand in Hand mit gesellschaftlichen Auffassungen, die pharmakologische Lösungen auch für noch so kleine soziale und Verhaltensprobleme befürworten. Wenn jungen Menschen erklärt wird, sie sollten vom Arzt verschriebene Drogen einnehmen, um auf emotionalen Druck zu reagieren, ihre Leistung in der Schule zu verbessern und das Idealbild eines schönen körpers zu erlangen - wie kann von diesen jungen Menschen Drogenabstinenz erwartet werden? In dieser Umwelt die Haltung der jungen Menschen so zu beeinflussen, daß sie keine Drogen mißbrauchen, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Hier müssen vermehrt Anstrengungen zur Schaffung einer Jugendkultur unternommen werden, die die Verwendung kontrollierter Substanzen, mit Ausnahme für begründete medizinische Zwecke ablehnt. Die zunehmend politische Auseinandersetzung über Cannabis muß enden, weil sie eine negative Auswirkung auf die Haltung gegen den Drogenmißbrauch, insbesonders von jungen Menschen hat. Der Rat bedauert, daß die vielleicht mögliche medizinische Verwendung von Cannabis dazu benutzt wurde, um die generelle Legalisierung jeder Form von Cannabis zu rechtfertigen. Der Rat begrüßt und ermuntert ernsthafte wissenschaftliche Forschung der angeblichen medizinischen Eigenschaften von Cannabis sowie die weltweite Verbreitung der Ergebnisse, warnt jedoch vor dem Mißbrauch dieser Forschungen als Freibrief für Legalisierungszwecke. Sollte sich die medizinische Nützlichkeit von Cannabis erweisen, wird es eine Substanz wie die meisten Suchtstoffe und psychotropen Substanzen sein. für medizinische Zwecke verschriebenes Cannabis würde somit unter die Bewilligungspflicht und andere Kontrollmaßnahmen gemäß den internationalen Drogenkontrollverträgen fallen. Im Juni 1998 habe ich vor der Sondersitzung der Generalversammlung über das Weltdrogenproblem gesprochen und beobachtet, wie Regierungschefs aus der ganzen Welt ihren politischen Willen bekräftigten, die Maßnahmen gegen den Drogenmißbrauch und den illegalen Drogenhandel zu verstärken. Die aus dieser Veranstaltung hervorgegangene politische Erklärung und die Aktionspläne werden global und universal angewendet werden, da sie eine Verpflichtung auf höchster Ebene bilden. Die Folgemaß nahmen basierend auf den Ergebnissen dieser Tagung werden jetzt entscheidend sein. In der politischen Erklärung haben sich die Regierungen dazu verpflichtet, ihren übereinkommen Handlungen folgen zu lassen und die notwendigen Ressourcen für realistische und meßbare Ergebnisse zur Verfügung zu stellen. Diese Verpflichtung muß nun in Aktionen und greifbare Ergebnisse umgesetzt werden. Das ist für die Regierungen die Gelegenheit zu zeigen, daß sie es mit den nationalen und internationalen Verpflichtungen zur Durchführung von Aktionsplänen ernst meinen. Der Rat wird diese Entwicklungen Überwachen, soweit er dazu gemäß den internationalen Drogenkontrollverträgen ermächtigt ist. Die Beschlußfassung der Erklärung über die leitenden Grundsätze der Nachfragereduktion ist ein wichtiger Schritt vorwärts. Die Erklärung beinhaltet viele der Ansichten des Rates zu dieser Frage, wie sie in dem Jahresberichten für 1993 und 1997 hervorgehoben wurden. Wenn eine grundlegende Veränderung der Haltung gegenüber dem Drogenmißbrauch zu einer kulturellen Veränderung in der Gesellschaft führt, dann kann auch die Nachfrage nach Drogen für nichtmedizinische Zwecke beträchtlich herabgesetzt werden. Die Weltgemeinschaft hat in diesem Jahrhundert einen langen Weg zurückgelegt, und in den letzten Jahren ist ein Konsens für eine ausgewogene Haltung gegenüber allen Aspekten des Drogenmißbrauchs und ähnlicher Phänomene entstanden. Nun müssen wir fest entschlossen zur Stärkung des internationalen Konsens in das nächste Jahrtausend gehen. Um dies zu erreichen, wird die weltweite Ratifizierung und Umsetzung sowie Einhaltung der Drogenkonventionen von grundlegender Bedeutung sein. Wir feiern jene, die die Fundamente für unseren modernen Ansatz gelegt haben und hoffen, daß die Weltgemeinschaft von heute in Zukunft im gleichen Licht beurteilt werden wird. * * * * * |
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