Bevölkerungsfragen

 

Weltbevölkerung:
Sechs Milliarden – Tendenz steigend

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„Sechs Milliarden Menschen leben seit dem 12. Oktober 1999 auf der Erde, eine Milliarde mehr als noch vor 12 Jahren. Fast die Hälfte von ihnen ist jünger als 25 Jahre. Über eine Milliarde davon sind junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren – die Eltern der nächsten Generation.“

Weltbevölkerungsbericht 1999
Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen
UNFPA

 

Die Weltbevölkerung nimmt pro Jahr um 78 Millionen Menschen zu. Das ist etwas weniger als die Einwohnerzahl Deutschlands. Seit 1960 hat sich die Zahl der Menschen auf der Erde verdoppelt. Das Weltbevölkerungswachstum findet heute zu über 95 Prozent in den Entwicklungsländern statt. In Europa, Nordamerika und Japan hat sich das Bevölkerungswachstum hingegen verlangsamt oder ist ganz zum Stillstand gekommen. Die Vereinigten Staaten sind das einzige Industrieland, für das Experten noch eine große Bevölkerungszunahme voraussagen, weitgehend aufgrund von Immigration.

Die Weltbevölkerung erreicht die Sechs-Milliarden-Marke: Das hat sowohl positive als auch negative Seiten. Positiv ist, daß diese Entwicklung das Ergebnis persönlicher Entscheidung und kollektiven Handelns für eine bessere Gesundheit und ein längeres Leben ist. Das kommt etwa zum Ausdruck durch:

  • jedes Neugeborene, dessen Mutter eine betreute und komplikationsfrei verlaufene Schwangerschaft hatte;
  • jede junge Frau, die sich vor einer HIV-Infektion schützen kann;
  • jeden älteren Menschen, der seine Gesundheit in jüngeren Jahren schützen konnte;
  • jeden Säugling, der richtig ernährt und ausreichend geimpft ist;
  • jede Frau, die den zeitlichen Abstand zwischen den Geburten frei bestimmen kann;
  • jeden Menschen, der Gefahren für die eigene Gesundheit dank besserer Information und verantwortlichen Verhaltens vermeidet;
  • jedem Mädchen, das besser ernährt und eine bessere Gesundheitsversorgung und Ausbildung erhält;
  • jeden Mann, der Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen und das seiner Familie übernimmt;
  • jeden Menschen, der die wichtigsten Entscheidungen in seinem Leben selbst treffen und kontrollieren kann.

Seit 1969 haben Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika die Gesundheitsversorgung und Ausbildung verbessert und einem größeren Teil der Bevölkerung zugänglich gemacht. Die Folgen davon sind, daß sich Frauen und Männer in den meisten Ländern weniger Kinder wünschen und Familien kleiner sind als in früheren Generationen, daß mehr Neugeborene das kritische erste Lebensjahr überleben und ältere Menschen länger leben als je zuvor.

In den Entwicklungsländern ist die Fertilität seit 1969 um die Hälfte gesunken, von durchschnittlich fast sechs Kindern pro Frau auf unter drei Kinder. Aufgrund dessen hat das Bevölkerungswachstum begonnen, sich zu verlangsamen.

Negativ ist, daß die ärmsten Länder häufig die höchsten Bevölkerungswachstumsraten aufweisen. In 62 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika sind über 40 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre. Der reproduktive Gesundheitszustand der Bevölkerung ist in den ärmsten Ländern am schlechtesten. Dort ist auch die Müttersterblichkeit am höchsten, und nur ein geringer Anteil der Frauen im fortpflanzungsfähigem Alter nutzt Methoden der Familienplanung. Häufig liegt dieser Anteil unter 15 Prozent – ein Prozentanteil, den die Entwicklungsländer im Durchschnitt bereits 1969 erreicht hatten.

Seit 1969, als UNFPA (der UNO-Fonds für Bevölkerungsaktivitäten, später in UNO-Bevölkerungsfonds umbenannt) mit seiner Tätigkeit begann, ist die Weltbevölkerung zwar von 3,7 auf 6 Milliarden Menschen angewachsen. Doch die jährlichen Zuwachsraten sind von 2,4 auf 1,8 Prozent zurückgegangen und dürften noch weiter sinken. Die jährliche Bevölkerungszunahme erreichte in den Jahren 1985-90 mit 86 Millionen Menschen ihren Höhepunkt. Diese Zahlen dürften in den nächsten 20 Jahren allmählich und danach rascher sinken.

Die Verlangsamung des Bevölkerungswachstums ist aber keine zwangsläufige Entwicklung. Sie wurde durch die Arbeit vieler Menschen in letzten 30 Jahren möglich gemacht. Ob sie sich fortsetzt und ob sie von zunehmender Lebensqualität oder zunehmenden Belastungen begleitet wird, hängt von den Entscheidungen und dem Handeln in den nächsten zehn Jahren ab.

Entscheidend dabei sind Erfolge in der Bevölkerungs- und Entwicklungspolitik und insbesondere die Verwirklichung des universalen Rechtes auf Gesundheit, einschließlich der reproduktiven Gesundheit. Von diesem Ziel sind wir noch weit entfernt:

  • 350 Millionen Frauen – fast ein Drittel aller Frauen in gebärfähigem Alter in den Entwicklungsländern – haben immer noch keinen Zugang zu modernen, sicheren und akzeptablen Methoden der Familienplanung; weitere 120 Millionen Frauen würden heute Familienplanungsmethoden anwenden, wenn diese umfassender verfügbar, besser verstanden und vom gesellschaftlichen Umfeld und den Familien unterstützt würden;
  • 585.000 Frauen in den Entwicklungsländern sterben jedes Jahr an den Folgen einer Schwangerschaft, und ein Vielfaches dieser Zahl von Frauen tragen Infektionen oder Verletzungen davon;
  • 70.000 Frauen sterben jedes Jahr bei unsachgemäß durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen;
  • fast zwei Drittel der 960 Millionen Analphabeten sind Frauen; Frauen und Mädchen machen zudem drei Fünftel der Armen auf der Welt aus;
  • Gewalt gegen Frauen ist in allen Ländern verbreitet; in vielen Ländern fehlt es an gesetzlichen Sanktionen oder Mitteln, diese durchzusetzen; bis zu 50 Prozent aller Frauen weltweit dürften irgendwann in ihrem Leben Opfer von geschlechtsbedingter Gewalt werden; zwei Millionen Mädchen und Frauen werden jedes Jahr an ihren Geschlechtsorganen verstümmelt;
  • HIV/AIDS verringert die Lebenserwartung in den am stärksten betroffenen Ländern und Frauen laufen größere Gefahr einer Ansteckung mit dem HI-Virus als Männer; die Hälfte der HIV-Neuinfektionen entfallen auf junge Menschen;
  • Die internationale Entwicklungshilfe ist von ihrem Höchststand von rund 61 Milliarden Dollar im Jahr 1992 auf knapp über 48 Milliarden Dollar im Jahr 1997 gefallen; die Unterstützung der Geberorganisationen für bevölkerungspolitische Maßnahmen ist zwar anteilsmäßig gestiegen (von 1,3 Prozent auf 3,1 Prozent), doch bedeutet dies lediglich ein größeres Stück von einem kleineren Kuchen, und sie liegt damit insgesamt noch weit von den vereinbarten Zielen entfernt.

Armut beschränkt sich nicht auf die ärmsten Länder. Über eine Milliarde Menschen können ihre Grundbedürfnisse noch nicht decken. Von den 4,8 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern fehlt es fast drei Fünftel an einfachsten sanitären Einrichtungen. Fast ein Drittel hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Ein Viertel keine angemessene Wohnung. Ein Fünftel keinen Zugang zu modernen Gesundheitsdiensten. Ein Fünftel der Kinder geht nicht bis zum 5. Schuljahr zur Schule. Rund einem Fünftel mangelt es an einer ausreichenden Kalorien- und Proteinzufuhr durch die tägliche Ernährung. Weltweit sind zwei Milliarden Menschen anämisch, darunter 55 Millionen in Industrieländern.

Die Armen auf dieser Welt sind gesundheitsschädlichen Abgasen und verseuchten Flüssen am stärksten ausgesetzt und am wenigsten in der Lage, sich davor zu schützen. 2,7 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen von Luftverschmutzung, 80 Prozent der Opfer sind auf dem Lande lebende Arme in den Entwicklungsländern.

*****

Die aktuellen Bevölkerungsprojektionen der Vereinten Nationen haben ergeben, daß die Weltbevölkerung von sechs Milliarden Menschen im Jahre 1999 auf 7,3 bis 10,7 Milliarden Menschen im Jahr 2050 anwachsen wird - wobei 8,9 Milliarden Menschen am wahrscheinlichsten gelten, je nachdem welche Szenarien zum Tragen kommen.

Das “höchste“ Szenario geht davon aus, daß die Fertilität im bisherigen Tempo weiter sinken wird. Die heutige Zunahme der Weltbevölkerung von 1,33 Prozent jedes Jahr sollte danach auf 0,86 Prozent zurückgehen und damit die Zahl der Weltbevölkerung im Jahr 2050 auf 10,7 Milliarden bringen.

Das „mittlere“ Szenario nimmt als wahrscheinlicher an, daß die Fertilität im gleichen Zeitraum rascher auf 0,34 Prozent sinkt, was die Zahl der Weltbevölkerung im Jahr 2050 auf 8,9 Milliarden Menschen bringen würde.

Das „niedrigste“ Szenario berechnet die Weltbevölkerungszahl im Jahr 2050 auf 7,3 Milliarden Menschen. Dazu bedarf es jedoch eines durchschnittlichen Rückgangs der Zuwachsrate pro Jahr um 0,23 Prozent. Das würde bedeuten, daß Frauen weltweit weniger als zwei Kinder zur Welt bringen würden, eine Annahme, die als höchst unwahrscheinlich gilt.

Der Mittelwert liegt also bei 8,9 Milliarden Menschen. Allein die ausreichende Ernährung dieser Menschen würde die Verdoppelung des heutigen Kalorienkonsums erfordern.

Seit die Weltbevölkerung 1987 die Fünf-Milliarden-Marke überschritten hat, häufen sich die Belege dafür, daß verschwenderische und unausgewogene Verbrauchsmuster zusammen mit der stetig wachsenden Bevölkerung der Erde das Weltklima erheblich beeinträchtigt haben.

Die wachsende Zahl armer Menschen in armen Ländern ist alarmierend für all diejenigen, denen soziale Gerechtigkeit, Schutz der Umwelt und Entwicklung am Herzen liegen. Regierungen und die internationale Staatengemeinschaft müssen ihre Verantwortung für die Beseitigung extremer Armut übernehmen. Ein rasches Bevölkerungswachstum ist nur eines von vielen Problemen, trägt jedoch zu Umweltschäden, zu einem erhöhten Druck auf das zur Verfügung stehende Land und auf die Wasserressourcen sowie zur politischen Instabilität bei.

Zusammengenommen können die Auswirkungen der fortbestehenden Armut, von Unterernährung und mangelhaftem Gesundheitszustand, von Geschlechterdiskriminierung und Ungerechtigkeiten in Schlüsselbereichen wie Bildung und Gesundheit, einschließlich der reproduktiven Gesundheit, von neuen Gefahren wie HIV/AIDS, von Umweltveränderungen und schwindenden internationalen Ressourcen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit die Vorteile, die die geringere Fertilität der letzten Generation mit sich brachten, wieder zunichte machen - mit weltweiten Konsequenzen.

(Auszüge aus dem Weltbevölkerungsbericht 1999 – Deutsche Fassung: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, Hannover)


Herausgegeben vom Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn, Oktober 1999.
Weitere Informationen zu Bevölkerungsfragen im Internet:
http://www.unfpa.org/6billion/index.htm



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