Freitag, 29 August 2014
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UNO-Konferenz zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und ihre Folgen für Entwicklung

UNRIC-Pressemitteilung
Nr. 291

UNO-Konferenz zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und ihre Folgen für Entwicklung

BONN, 22. Juni (UNO-Informationszentrum) - Die Vereinten Nationen haben einen dreitägigen Gipfel der Staats- und Regierungschefs vom 24. bis 26. Juni 2009 am New Yorker Hauptsitz einberufen, um die schlimmste Rezession seit der Großen Depression in den 1920er Jahren zu untersuchen. Dabei sollen Notfallmaßnahmen ebenso wie langfristige Lösungen gefunden werden, um die Folgen der Krise insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen abzuschwächen. Darüber hinaus soll ein dringend erforderlicher Dialog über die Umgestaltung der globalen Finanzarchitektur angestoßen werden, wobei die Bedürfnisse und Anliegen aller Mitgliedstaaten berücksichtigt werden sollen.

Jüngste Analysen der andauernden Wirtschaftskrise haben zunehmend auf die sich verschlechternden sozialen und politischen Umstände für die am wenigsten entwickelten Länder sowie Länder mit mittlerem Einkommen hingewiesen. Die Aussicht auf eine schnelle Erholung ist gesunken. Das zwingt die Staaten, sich auf eine anhaltende Rezession in den Bereichen Handel, Investitionen und Beschäftigung einzustellen.

Kreditflüsse sind gestoppt worden und große Investmentbanken und Kreditinstitute sind von der Bildfläche verschwunden. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gehen monatlich Millionen von Arbeitsplätzen verloren. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat beobachtet, dass der internationale Handel auf den niedrigsten Stand seit der Großen Depression gefallen ist.

 

Ein Entwicklungsnotfall

Die Entwicklungsländer sind am meisten von der Krise betroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben. Einige Ökonomen warnen daher vor „verlorenen Jahrzehnten für die Entwicklung“. Dies könnte für reiche und arme Länder gleichermaßen katastrophale Folgen haben.

Neben dem Kampf gegen hohe Preise für Lebensmittel, Treibstoff und Düngemittel sowie dem Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels sind diese Länder nun von schnell schrumpfenden Handels- und Export-Import-Krediten betroffen. Nach Angaben des Internationalen Finanzinstituts IIF werden Privatkapitalflüsse für Schwellenländer dieses Jahr um 82 Prozent im Vergleich zum Aufschwung im Jahr 2007 zurückgehen. Die Weltbank, die die Krise als „Entwicklungsnotfall“ bezeichnet hat, erwartet einen Finanzierungsausfall in diesen Ländern von bis zu 700 Milliarden US-Dollar. Außerdem befürchtet sie, das durch den Anstieg der Säuglingssterblichkeit von 1,5 auf 2,8 Millionen bis 2015 eine Generation verloren gehen könnte. Es wird erwartet, dass in jedem weiteren Krisenjahr über 100 Millionen Menschen in extreme Armut fallen werden.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat kürzlich davor gewarnt, dass die internationale Gemeinschaft „nicht die Notlage mehrerer hundert Millionen armer Menschen in den Entwicklungsländern, auf die sich diese Krise auswirkt, ignorieren darf“. Auch Länder mit mittlerem Einkommen sind zunehmend vom Abschwung betroffen.

Konferenz auf höchster Ebene

Auf der Internationalen Folgekonferenz über Entwicklungsfinanzierung im Dezember 2008 in Doha (Katar) wurde beschlossen, die außerordentliche Tagung der Generalversammlung im Juni abzuhalten. Die Mitgliedstaaten forderten vom Präsidenten der Generalversammlung, Miguel d’Escoto Brockmann, das Treffen auf höchster Ebene zu organisieren. Die Konferenz wird aus Plenarsitzungen und vier Gesprächen am runden Tisch zwischen Staatsoberhäuptern und Vertretern des Systems der Vereinten Nationen, darunter der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie Organisationen der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft bestehen. Der Gipfel wird ein Abschlussdokument veröffentlichen, dessen Entwurf bereits seit Mitte Mai vorliegt.

Die vier Gespräche am runden Tisch zur Begutachtung und Bewältigung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie deren Folgen für Entwicklung werden folgende Themen behandeln:

·         Die Auswirkungen der Krise auf Beschäftigung, Handel, Investitionen und Entwicklung, darunter das Erreichen der international vereinbarten Entwicklungsziele sowie der Millenniums-Entwicklungsziele;

·         Aktionen und geeignete Maßnahmen, um die negativen Folgen der Krise für die Entwicklung zu mindern;

·         Die Rolle der Vereinten Nationen und ihrer Mitgliedstaaten in der anhaltenden internationalen Debatte zur Reform und Stärkung der internationalen Finanz- und Wirtschaftsarchitektur;

·         Beiträge des Entwicklungssystems der Vereinten Nationen zur Lösung der Krise.

Die Konferenz der Vereinten Nationen über die globale Wirtschafts- und Finanzkrise und ihre Folgen für Entwicklung wird von der Generalversammlung getragen. Die Versammlung ist das einzige universelle Gremium souveräner Staaten. Bei dem Treffen handelt es sich nicht um eine Gegenmaßnahme oder eine Alternative zu bestehenden internationalen Foren für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Finanzregulierung. Vielmehr stößt der Gipfel einen ergänzenden und unterstützenden Prozess an, der die Stimmen und letztlich die Unterstützung aller 192 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen einbringt.

„Wir haben die historische Möglichkeit – und eine kollektive Verantwortung – die internationale Wirtschafts- und Finanzordnung stabiler und nachhaltiger zu gestalten“, erklärte der Präsident der Generalversammlung, d’Escoto. „Diese Umgestaltung – durch die eine Verkleinerung des Nord-Süd-Gefälles entstehen könnte – benötigt das Engagement aller Staaten dieser Welt. Dies kann ein Treffen der G-192 erreichen.“

Die Generalversammlung hat frühzeitig eine Reihe von Debatten und Beratungen abgehalten, um so zur Konferenz beizutragen. Damit sollen die Stimme aller Länder gestärkt werden – egal ob reich, arm oder mit mittlerem Einkommen – und weltweite Überlegungen zur bislang schwerwiegendsten Herausforderung des 21. Jahrhunderts gebündelt werden. Diese Treffen im Vorfeld haben dazu gedient, eine gemeinsame Perspektive auf das Ausmaß, die Reichweite und die Folgen der Krise zu entwickeln. Es wurden notwendige Ressourcen und deren Mobilisierung besprochen ebenso wie die Rolle globaler Institutionen, insbesondere des UNO-Systems.

Beiträge zum Abschlussdokument

Eine vom Präsidenten einberufene Expertenkommission unter dem Vorsitz des Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz hat Empfehlungen zu kurz- und langfristigen Maßnahmen erstellt. Zu den Mitgliedern der Expertenkommission zu Reformen des internationalen Währungs- und Finanzsystems gehören führende Ökonomen und Regierungsvertreter aus allen Regionen der Welt. Die Kommission machte eine Reihe von Vorschlägen zur Verbesserung der internationalen Finanzarchitektur. Diese und andere Beiträge sind die Grundlage für das Abschlussdokument der Konferenz. Ein Entwurf ist auf der Website des Gipfels abrufbar.

Weitere Informationen zur Konferenz: www.un.org/ga/econcrisissummit


UNRIC-Hintergrundinformation:
UNO-Konferenz zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und ihre Folgen fürEntwicklung

 

 

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