Donnerstag, 23 Februar 2017
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INTERVIEW mit Jonas Hörsch, Gewinner der “Sustainable Energy for All Challenge”

Jonas Hörsch resizedJonas Hörsch, ein 31-jähriger Physik-Doktorand am Frankfurt Institute for Advanced Studies, ist vergangene Woche zum Gewinner der “Sustainable Energy for All Challenge” (SE4All) gekürt worden. Als Kollaboration zwischen dem Schwedischen KTH Royal Institute of Technology und den Vereinten Nationen, war die Challenge Teil einer Initiative zur Entwicklung von Open Source Technologien, die nachhaltige Entwicklung vorantreiben sollen. In seinem siegreichen Beitrag hat Hörsch es geschafft, die Rechenzeit eines Energiesystemmodells von 15 Stunden auf unglaubliche 9 Minuten zu reduzieren. UNRIC hat mit ihm gesprochen um rauszufinden, wie das möglich war.

UNRIC: Herr Hörsch, wie würden Sie Energiesystemmodellierung einem Laien erklären?
Hörsch: Jedes Land steht vor der Frage: Welche Art der Energiegewinnung ist für mich in den nächsten 20 bis 30 Jahren die Beste? Was ist die bezahlbarste Technologie? Zum Beispiel, ist es billiger in Windenergie oder Kohle zu investieren? Indem sie alle notwendigen Faktoren zusammenbringen, bieten Energiesystemmodelle wie das “Open Source Energy Modelling System” (OSeMOSYS) eine Möglichkeit, diese Fragen zu beantworten. Wenn zum Beispiel der Preis für Solarenergie berechnet wird, berücksichtigt das Modell die Kosten für die zusätzlichen Batterien, die benötigt werden, um auch nachts Energie zu haben.

Die SE4All-Challenge hat dazu aufgerufen die Rechenzeit des Energiesystemmodells OSeMOSYS zu verringern. Haben Sie erwartet die Rechenzeit so extrem reduzieren zu können?
Mein Hauptaufgabengebiet beschäftigt sich mit der Frage: Mit welchem Detailgrad muss ich Energiesysteme modellieren, um verlässliche Ergebnisse zu erhalten. Es ist daher ziemlich nah dran an der Aufgabe der Challenge. Trotzdem habe ich damit gerechnet die Zeit vielleicht um das 3- oder 4-fache zu verringern. Die 100-fache Reduzierung hat auch mich überrascht.

Was war denn der Schlüssel zum Erfolg?
Energiesystemmodelle sind typischer Weise lineare Modelle mit allen Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen Faktoren. Zum Beispiel kann ein Kraftwerk nur eine bestimmte Menge an Energie produzieren bevor das Öl ausgeht. Aber es gibt auch jede Menge Faktoren die nicht in Verbindung stehen, aber trotzdem Rechenzeit in Kauf genommen haben. Mein Beitrag war es, nicht mehr alle Abhängigkeiten mitzunehmen, sondern nur noch die relevanten Abhängigkeiten zu berechnen.

Inwiefern wird dieser Zeitgewinn den Nutzern des Modells weiterhelfen?
Insbesondere in der Anfangsphase einer Planung ist es wichtig verschiedene Szenarien durchzuspielen. Sagen wir zum Beispiel dieselbe Konstellation soll für 100 verschiedene Ölpreise berechnet werden. Früher hätte man dafür 1500 Stunden, also knapp 2 Monate benötigt. Jetzt ginge es innerhalb von 1-2 Tagen. Außerdem hilft der Zeitgewinn beim Training mit dem Modell, weil Leute, die das Modell benutzen möchten, direkt die Ergebnisse eines bestimmten Szenarios analysieren können.

Mit diesem Fortschritt im Blick: Ist SDG 7, also saubere und bezahlbare Energie bis 2030, ein realistisches Ziel?
Mit Blick auf die Technologie: Absolut! Man könnte sogar hinzufügen: Und das karbonfrei! Es braucht allerdings politischen Willen und Kooperation. In dieser Hinsicht bin ich momentan etwas skeptischer.

UN-Generalsekretär: Israels Siedlungsgesetz verletzt internationales Recht

670817 guterres7. Februar 2017 – Mit außerordentlichem Bedauern hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, die Verabschiedung des Siedlungsgesetzes durch das israelische Parlament zur Kenntnis genommen. Die Maßnahme, so Guterres, stehe in klarem Widerspruch zu internationalem Recht und habe „weitreichende legale Konsequenzen“ für das Land.
In einer Stellungnahme des Pressesprechers der Vereinten Nationen hieß es, das Gesetz legalisiere nachträglich den Bau von Siedlungen auf palästinensischem Gebiet.
„Der Generalsekretär besteht auf der Notwendigkeit, jede Handlung zu vermeiden, die eine Zweistaatenlösung gefährdet“, hieß es in dem Statement. In dem Schreiben fordert Guterres außerdem, alle Kernfragen auf Basis der relevanten Sicherheitsratresolutionen direkt zwischen den Parteien zu verhandeln.
„Die Vereinten Nationen stehen bereit, diesen Prozess zu unterstützen“, so der Pressesprecher.

Myanmar: UN-Sonderberater warnt vor Verbrechen gegen die Menschlichkeit

667396AdamaDieng7. Februar 2017 – Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Vereinten Nationen hat das Ausmaß der Gewalt gegen die Rohingya-Gemeinschaft im Norden des Rakhine-Staats (Myanmar) offen gelegt. Der UN-Sonderberater für die Verhütung von Völkermord, Adama Dieng, sprach von einem Maß an Unmenschlichkeit und Grausamkeit, das „empörend und inakzeptabel“ sei. Er forderte die burmesische Regierung auf, den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen.

In einer Pressemitteilung pflichtete Dieng dem Bericht des Büros des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) bei. Der Bericht unterstreiche den Vorwurf, dem zufolge die burmesischen Sicherheitskräfte ernsthafte Menschenrechtsverletzungen gegen die muslimischen Rohingya begangen haben. Anfang Oktober 2016 war es an den Grenzposten zu Gewalt zwischen den Konfliktparteien gekommen, die durch das weitere Vorgehen der burmesischen Streitkräfte eskaliert waren.

„Sobald Menschen aufgrund ihrer Identität verfolgt und getötet, gefoltert, vergewaltigt und auf systematische Weise gewaltsam vertrieben werden, könnte es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handeln, die Vorläufer von anderen ungeheuerlichen internationalen Verbrechen sind“, warnte der UN-Sonderberater und appellierte eindringlich an die burmesische Regierung, „verantwortungsvoll zu handeln“, um die Angelegenheit zu lösen.

Link zum Bericht des OHCHR (englisch)

Irak: UN-Flüchtlingshilfswerk koordiniert Maßnahmen für tausende neue Vertriebene

MOSUL EAST 2017 RF2878426. Februar 2017 – Die Streitkräfte der irakischen Regierung haben ihre Angriffe gegen den Islamischen Staat (IS) im Westen Mosuls und in Hawiga fortgesetzt, um die verbliebenen Gebiete aus der Kontrolle der Terroristen zu befreien. Gemeinsam mit seinen Partnern hat das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) im Zuge der Mosul-Offensive vor einer weiteren Welle der Vertreibung gewarnt und erneut Maßnahmen ergriffen, um den vom Konflikt vertriebenen Menschen zu helfen.

„Insgesamt könnten aufgrund des Konflikts über 250.000 Iraker im dicht besiedelten Westen Mosuls vertrieben werden“, so der Sprecher des Hohen Flüchtlingskommissars der UN, Matthew Saltmarsh, in Genf. Seit Beginn der militärischen Offensive im Oktober 2016 haben rund 161.000 Menschen die Stadt Mosul und die umliegenden Gebiete verlassen, davon sind circa 30.000 Menschen wieder zurückgekehrt.

Der Sprecher des UNHCR erklärte, dass man den Bau von sieben Flüchtlingslagern bereits abgeschlossen habe und zwei weitere fertigstelle, um den Vertriebenen eine Grundversorgung zu ermöglichen.

Im Zuge der Mosul-Offensive ist das UN-Flüchtlingshilfswerk im Irak derzeit in der Lage, rund 11.000 irakischen Familien bzw. 66.000 Einzelpersonen Schutz zu gewähren. Es ist geplant, die Kapazitäten auf 20.000 Familien bzw. 120.000 Einzelpersonen aufzustocken, sobald die irakische Regierung weiteres Land zur Verfügung stellt.

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