Samstag, 25 März 2017
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UN-Sondergesandter für Syrien, Staffan de Mistura: „Zahl der Flüchtlinge wird weiter steigen“

489647UNRIC (Brüssel/Bonn) - Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hat sich für direkte Gespräche zwischen Saudi-Arabien und Iran angesichts des andauernden Kriegs in Syrien ausgesprochen. Er sagte bei einer UNRIC-Pressekonferenz in Brüssel, dass Verhandlungen zwischen diesen beiden Staaten „ein Schlüssel zur Beendigung des Kriegs in Syrien“ seien.

De Mistura rief dazu auf, eine regionale Konferenz einzuberufen nach dem Vorbild der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die zu der KSZE-Schlussakte von 1975 geführt hat. „Wir sollten uns der Wahrheit stellen: Wenn Saudi-Arabien und Iran damit begönnen, ernsthaft miteinander zu verhandeln und eine Art Helsinki-Arrangement treffen könnten, dann würde der Konflikt einen weiteren Monat dauern und nicht ein oder gar zehn Jahre. Der Sauerstoff, der den Konflikt am Leben hält, würde verschwinden“, sagte de Mistura. Er führte weiter aus, dass Saudi-Arabien und Iran beide über „beträchtlichen Einfluss“ im Libanon, im Jemen, im Irak und in Syrien verfügten und dass direkte Gespräche zwischen den beiden Staaten zu einer wirklichen Lösung führen könnten. Dies gelte unter der Voraussetzung, dass sich die beiden Staaten nicht alleine am Verhandlungstisch gegenübersäßen und an einer „richtigen Diskussion“ interessiert wären. „Ich bin nun seit 43 Jahren bei der UN, habe 19 Konflikte miterlebt, und glaube sagen zu können, dass die Menschen dann anfangen miteinander zu sprechen, wenn die Unterstützung für einen Konflikt ausbleibt. Wenn man dem Feuer den Sauerstoff entzieht, geht das Feuer zwangsläufig aus“, so de Mistura.

De Mistura warnte davor, dass sich die Flüchtlingskrise noch verschärfen wird: „Wir müssen uns nur die aktuelle Lage vergegenwärtigen: Wenn die Volksgruppe der Sunniten in und um der Stadt Latakia stärker als bisher in Bedrängnis gerät und sich zur Flucht entschließt, dann handelt es sich um eine weitere Million Menschen. Und wir dürfen nicht vergessen: Latakia ist eine Hafenstadt, man kann die Boote direkt zu Wasser lassen.“ Mit Blick auf das erschütternde Bild des kleinen Aylan Kurdi, der ertrunken an der türkischen Küste aufgefunden worden war, mahnte de Mistura: „Wenn der tote Aylan uns eines schmerzlich vor Augen führt dann, dass wir keine Zeit mehr mit Diskussionen und Konferenzen verschwenden dürfen. Wir müssen denen in die Augen sehen, die uns sagen, dass sie keine Hoffnung, keine Geduld mehr haben.“

Der Sondergesandte begrüßte Gespräche zwischen den USA und Russland über Syrien. „Das ist ein gutes Zeichen, aber sie haben beim Hauptthema noch keine konkreten Ergebnisse erzielt, wie Syrien künftig regiert werden soll.“ Er fügte hinzu: “Es gibt keine Zeit mehr für lange politische Prozesse. Es gibt die Notwendigkeit, konkrete Hoffnung für die Menschen in Syrien zu schaffen.“ Europa, so de Mistura, sei nicht an diesem Konflikt beteiligt, könne aber dabei helfen, „ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, wie wir Flüchtling in Würde empfangen.“ Auerdem gehe es darum, die Finanzierungslücken zu schließen. „Bisher sind nur 31 Prozent der Mittel, die die internationale Gemeinschaft der UN für Flüchtlinge in Jordanien, der Türkei und dem Libanon zugesagt hat, eingegangen.“

„Wenn wir diese Lücken schließen, geben wir wenigstens den Menschen, die in den Flüchtlingslagern bleiben, das Gefühl, dass die Lage nicht noch schlimmer wird, als im vergangenen Jahr. Wenn sie hingegegen spüren, dass es keine Hoffnung gibt, werden sie weiterziehen.” De Mistura wurde im Juli 2014 zum UN-Sondergesandten für Syrien ernannt. Zuvor war er Sondergesandter des UN-Generalsekretärs im Irak (2007-2009) und Afghanistan (2010-2011) und hatte zahlreiche Ämter in Konfliktzonen inne.

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