Montag, 21 April 2014
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„Das ist ein schmutziger Krieg in Syrien“

grandiInterview mit UNRWA-Generalkommissar Filippo Grandi über die Hilfsmaßnahmen vor Ort

Von den andauernden Kämpfen in Syrien sind auch die dort lebenden palästinensischen Flüchtlinge betroffen. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinenserflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) versucht, die 525 000 Flüchtlinge zu versorgen, die in Syrien festsitzen. Der Generalkommissar von UNRWA, Filippo Grandi, spricht in einem Interview des UN News Centre über die Situation der Palästinenser in Syrien und darüber wie UNRWA versucht ihnen zu helfen.

UN News Centre: Warum sind so viele palästinensische Flüchtlinge von der Krise in Syrien betroffen und welchen Problemen stehen sie gegenüber?

Filippo Grandi: Jeder in Syrien ist von diesem Konflikt betroffen. Die palästinensischen Flüchtlinge waren schon vor dem Konflikt bei UNRWA registriert und sind jetzt genauso betroffen, wie jeder andere. Politisch sind sie aber kaum in den Konflikt involviert.

UN News Centre: Mit welchen Herausforderungen muss UNRWA durch die fortschreitende Eskalation fertig werden?

Grandi: Ursprünglich wollten wir unsere normalen Tätigkeiten fortsetzen, so wie wir das vor dem Beginn des Konflikts seit Jahrzehnten getan haben: Bildung und Gesundheit fördern und Armut bekämpfen. Leider müssen wir zunehmend unsere regulären Tätigkeiten durch Notfallhilfe ersetzen. Wir verteilen Geld, weil die Menschen in Syrien sehr arm sind, seitdem die meisten Jobs durch den Konflikt verloren gegangen sind. Wir verteilen Nahrungsmittel, weil sie vor allem für die Armen zu teuer und schwer zugänglich sind. Und wir haben die medizinische Unterstützung in den Konfliktsituationen intensiviert. Es ist also leider so, dass unsere Arbeit sich von der normalen Entwicklungshilfe immer mehr zu humanitärer Unterstützung gewandelt hat.

UN News Centre: Wie hat UNRWA seine Arbeitsweise an die Krisensituation angepasst?

Grandi: UNRWA besitzt einen entscheidenden Vorteil, weil wir normalerweise mit einem sehr großen Netzwerk vor Ort arbeiten. Es besteht aus600514-unrwa lokal ansässigen, palästinensischen Mitarbeitern – allein in Syrien sind über 3.600 Palästinenser für UNRWA tätig. Normalerweise arbeiten sie als Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern oder Sozialarbeiter, aber durch den Konflikt mussten viele von ihnen zusätzliche Aufgaben übernehmen. Fünf unserer Kollegen sind ums Leben gekommen und zehn weitere werden aktuell vermisst.

UN News Centre: Was sind momentan die Prioritäten von UNRWA, um die palästinensischen Flüchtlinge zu schützen?

Grandi: Der Zugang zu den Flüchtlingen besitzt momentan Vorrang. Das ist ein schmutziger Krieg in Syrien, sehr gewaltsam und mit tragischen Folgen für die Zivilbevölkerung. Durch die Art des Krieges gibt es keine klaren Frontlinien oder Kontrollzonen und es ist immer sehr gefährlich in einer solchen Situation zu operieren. Deshalb ist es am wichtigsten, Zugang zu den Menschen zu bekommen. Eine andere Priorität sind die Ressourcen, die wir dringend für unsere Arbeit vor Ort brauchen. Aber das allerwichtigste ist, dass die internationale Gemeinschaft und vor allem der UN-Sicherheitsrat sich einigen, wie die Gewalt beendet werden kann. Das ist die größte Priorität. Ansonsten wird das Elend weiter zunehmen und mit ihm die Bedürfnisse der Leidenden.

 

(UNRIC, 20.3.2013)

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