Vor dem UNO-Sondertribunal in Kambodscha hat der zweite Prozess
gegen Verantwortliche der Roten Khmer begonnen. Mehr als 30 Jahre nach dem Ende
des Regimes müssen sich Ex-Staatschef Khieu Samphan sowie der Chef-Ideologe der
Bewegung, der Außenminister und die Sozialministerin vor dem Gericht
verantworten. Ihnen werden Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit
und Völkermord in dem südostasiatischen Land in den Jahren 1975 bis 1979
vorgeworfen. Schätzungsweise zwei Millionen Menschen, knapp ein Viertel der
Gesamtbevölkerung, kamen damals durch Erschöpfung, Hunger, Krankheit, Folter und
Hinrichtungen ums Leben. Die Roten Khmer hatten versucht, das Land zu einem
kommunistischen Bauernstaat zu machen und sämtliche Stadtbewohner zur Landarbeit
gezwungen. Im vergangenen Jahr war in einem ersten Prozess der einstige
Folterchef zu 35 Jahren Haft verurteilt worden.