UNRIC-Hintergrundinformation (PDF)
Die Vereinten Nationen begehen am 29. Mai den 60. Jahrestag der
Friedenssicherungseinsätze. Dies ist zeitgleich auch der Internationale
Tag der Friedenssicherungskräfte der Vereinten Nationen, an dem all die
Männer und Frauen geehrt werden, die seit 1948 im Einsatz waren.
Außerdem werden an diesem Tag posthum Medaillen an diejenigen
verliehen, die im Jahr 2007 im Dienst für den Frieden ums Leben
gekommen sind.
Die UNO-Friedenssicherungseinsätze begannen im Jahr 1948 mit der
Stationierung unbewaffneter UNO-Militärbeobachter im Nahen Osten zur
Überwachung des Waffenstillstands zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn.
Heute dienen fast 110.000 uniformierte und zivile Kräfte in 20
Missionen, die von der UNO-Hauptabteilung für
Friedenssicherungseinsätze geleitet werden.
Seit 1948 gab es 63 Friedenssicherungseinsätze. 17 von ihnen fanden
allein im letzten Jahrzehnt statt. Mehr als eine Million Soldaten,
zehntausende UNO-Polizisten und zivile Mitarbeiter aus über 120
Nationen haben daran teilgenommen.
Mehr als 2.400 UNO-Friedenssicherungskräfte aus 118 Staaten sind in
den vergangenen 60 Jahren im Dienst für die UNO ums Leben gekommen.
Die Friedenssicherungseinsätze der UNO sind ein einzigartiges und
dynamisches Instrument. Sie sind von der UNO entwickelt worden, um in
Ländern nach einem Konflikt dauerhaft Frieden zu schaffen.
Der Begriff „Friedenssicherung“ (Peacekeeping) ist nicht in der
Charta der Vereinten Nationen festgeschrieben. Der zweite
UNO-Generalsekretär Dag Hammarskjöld fand aber dennoch einen Weg,
diesen Begriff mit Hilfe der Charta zu definieren. Er sagte, dass die
Friedenssicherung unter „Kapitel VI 1/2“ fallen würde, da sie genau
zwischen den Mitteln der friedlichen Streitbeilegung stehe – die in
Kapitel VI festgeschrieben sind – und den Mitteln der Gewaltanwendung –
die in Kapitel VII festgeschrieben sind.
Im Lauf der Jahre konnten durch die Friedenssicherung die
unterschiedlichsten Konflikte in einer sich stark verändernden
politischen Welt gelöst werden.
Die mit der Friedenssicherung verbundenen Ziele entstammten der Zeit
des Kalten Kriegs, als der Sicherheitsrat oft handlungsunfähig war. Sie
beschränkten sich darauf, einen Waffenstillstand aufrecht zu erhalten
oder die Lage vor Ort soweit zu stabilisieren, damit auf politischer
Ebene Schritte zur friedlichen Streitbeilegung unternommen werden
konnten. Bei diesen Friedenssicherungsmissionen kamen Militärbeobachter
und leicht bewaffnete Soldaten zum Einsatz, die die Lage beobachteten,
darüber berichteten und auf vertrauensbildende Maßnahmen setzten, um
eine Waffenruhe oder ein begrenztes Friedensabkommen zu unterstützen.
Die Organisation der Vereinten Nationen zur Überwachung des
Waffenstillstands (UNTSO) im Nahen Osten und die
Militärbeobachtergruppe der Vereinten Nationen in Indien und Pakistan
waren die ersten beiden Friedenssicherungseinsätze. Beide konzentrieren
sich auf die Beobachtung, umfassen nur einige hundert Soldaten und
existieren bis heute.
Der erste bewaffnete Friedenssicherungseinsatz war die Erste
Noteinsatztruppe der Vereinten Nationen (UNEF I), die im Jahr 1956
während der Suez-Krise stationiert wurde. Die Operation der Vereinten
Nationen in Kongo (ONUC), die im Jahr 1960 eingesetzt wurde, war die
erste umfangreiche Mission. Bei ihr dienten zu Hochzeiten fast 20.000
Soldaten. Sie zeigte auch die Risiken auf, die damit verbunden sind,
einem Land Frieden und Stabilität zu bringen. 200 Soldaten kamen bei
diesem Einsatz ums Leben.
In den sechziger und siebziger Jahren entstanden Kurzzeit-Missionen
in Neuguinea, im Jemen und in der Dominikanischen Republik. Längere
Einsätze gab es auf Zypern (UNFICYP) und im Nahen Osten (UNEF II, UNDOF
und UNIFIL).
Im Jahr 1988 erhielten die Friedenssicherungskräfte den Friedensnobelpreis. Das Nobel-Komitee betonte besonders, dass „die jungen Menschen aus vielen Ländern ihre Ideale hochhalten und einen schwierigen und gefährlichen Dienst für den Frieden leisten.“
Die Zahl der Friedenssicherungseinsätze stieg nach dem Ende des
Kalten Kriegs rasch. Im Sicherheitsrat herrschte oft Einigkeit, weshalb
zwischen 1989 und 1994 20 Einsätze beschlossen wurden. Die Zahl der
Friedenssicherungskräfte stieg von 11.000 auf 75.000.
Einige Einsätze wurden beschlossen, um Friedensabkommen umzusetzen,
die nach langwierigen Konflikten zustande gekommen waren. Das war unter
anderem in Angola, Mosambik, Namibia, El Salvador, Guatemala und
Kambodscha der Fall. Wichtig war es auch, in diesen Staaten für
Stabilität zu sorgen, neue Regierungen zu wählen und demokratische
Institutionen aufzubauen.
Der allgemeine Erfolg dieser Friedenssicherungsmissionen ließ die
Erwartungen an die UNO und ihre Möglichkeiten in manchen Fällen zu hoch
steigen. Besonders dann, wenn der Sicherheitsrat sich nicht darauf
einigen konnte, genügend Mittel zu bewilligen oder einen Einsatz mit
einem notwendigen robusten Mandat auszustatten.
Einige Einsätze begannen, obwohl noch immer gekämpft wurde – häufig
auch in Gebieten, in denen es noch keinen Frieden zu sichern gab.
Obwohl die Kämpfe andauerten wurden Blauhelme zum Beispiel in das
frühere Jugoslawien, nach Somalia und Ruanda entsendet.
Diese drei komplexen Einsätze wurden stark kritisiert, da die
Friedenssicherungskräfte mit einer Situation konfrontiert waren, in der
sich die kriegführenden Seiten nicht an Friedensabkommen hielten oder
die Blauhelme selbst nur unzureichende Mittel bewilligt bekamen und
politische Unterstützung fehlte. Der Anstieg der zivilen Opfer sowie
die andauernden Feindseligkeiten beschädigten den Ruf der
UNO-Friedenssicherung.
Die Rückschläge in den frühen neunziger Jahren brachten den Sicherheitsrat dazu, die Zahl der Friedenssicherungsmissionen in den nächsten Jahren zu begrenzen und über die Einsätze der Vergangenheit Bilanz zu ziehen. In der Zwischenzeit setzten die Friedenssicherungskräfte ihre Langzeit-Einsätze im Nahen Osten, in Asien und auf Zypern fort. Aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse autorisierte der Sicherheitsrat außerdem relativ kleine Friedenssicherungseinsätze in Bosnien-Herzegowina, Haiti, Guatemala und eine Nachfolge-Mission in Angola.
Nachdem das Verständnis für die Grenzen aber auch das Potenzial der
Friedenssicherungseinsätze gewachsen war, begann die UNO ab 1999 noch
komplexere Einsätze durchzuführen. Die UNO übernahm die Verwaltung des
Kosovo und von Ost-Timor (heute Timor-Leste), das von Indonesien
unabhängig wurde.
In beiden Fällen wurde die UNO von vielen als einzige Institution
angesehen, die diese Aufgaben leisten konnte, da sie weltweite
Glaubwürdigkeit und Unparteilichkeit besitzt.
Im nächsten Jahrzehnt beschloss der Sicherheitsrat große und
komplexe Einsätze in Afrika – unter anderem in der Demokratischen
Republik Kongo, Sierra Leone, Liberia, Burundi, Côte d’Ivoire, Sudan
(im Süden des Landes und in Darfur), Äthiopien/Eritrea, dem Tschad und
der Zentralafrikanischen Republik.
Die Friedenssicherungskräfte kehrten auch dorthin zurück, wo die
einst geschlossenen Friedensabkommen immer brüchiger wurden, etwa auf
Haiti und dem inzwischen unabhängig gewordenen Timor-Leste.
Mit der Gründung der UNO-Missionen in Darfur, Tschad und der
Zentralafrikanischen Republik im Jahr 2007 war die Zahl der
Friedenssicherungskräfte mit 130.000 auf ein Rekordhoch gestiegen.
Nach dem Kalten Krieg hatten sich die Bedingungen für die
Friedenssicherungseinsätze dramatisch verändert. Die UNO war gezwungen,
ihre „traditionellen“ Missionen, die oft nur klare militärische
Aufgaben beinhalteten hin zu komplexen „multidimensionalen“ Einsätzen
umzuwandeln. Bei diesen war es nötig, umfangreiche Friedensabkommen
umzusetzen und die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden zu schaffen.
Die heutigen Blauhelme haben komplexe Aufgaben. Sie müssen
tragfähige Regierungsinstitutionen schaffen, Menschenrechte schützen,
Sicherheit herstellen, Entwaffnungen umsetzen sowie frühere Kämpfer
wieder in die Gesellschaft integrieren.
Auch die Art der Konflikte hat sich in den letzten Jahren
gewandelt. Waren die Friedenssicherungseinsätze ursprünglich entwickelt
worden, um in zwischenstaatlichen Konflikten zu vermitteln, so geht es
jetzt vorrangig darum, innerhalb eines Staates Frieden zu schaffen.
Obwohl das Militär weiter das Rückgrat der meisten
Friedenssicherungseinsätze bildet, arbeiten für die Missionen auch
Verwaltungsspezialisten, Wirtschaftswissenschaftler, Polizisten,
Juristen, Minenräumer, Wahl- und Menschenrechtsbeobachter sowie
Kommunikationsspezialisten.
Ende der neunziger Jahre untersuchte die UNO die Probleme, die es
bei den Friedenssicherungseinsätzen gegeben hatte und begann mit
Reformen. Der Generalsekretär ernannte eine Expertengruppe für die
UNO-Friedenssicherungseinsätze. Die Mitglieder hatten Erfahrung in der
Konfliktverhütung, der Friedenssicherung und –konsolidierung und
sollten die Unzulänglichkeiten des bestehenden Systems offen legen und
Veränderungsvorschläge ausarbeiten.
Im August 2000 legte die Expertengruppe den sogenannten
„Brahimi-Bericht“ vor (benannt nach dem Vorsitzenden, dem früheren
algerischen Außenminister Lakhdar Brahimi). Die Gruppe kam zu dem
Ergebnis, dass die UNO nicht in der Lage sei, die entscheidenden
Aufgaben zu erfüllen, wenn die Mitgliedsstaaten nicht mehr
Unterstützung leisteten. Dazu gehörte sowohl der institutionelle Umbau
wie auch die stärkere finanzielle Unterstützung. Die Expertengruppe war
der Ansicht, dass Friedenssicherungskräfte bestimmte Aufgaben nicht
übernehmen und in einigen Regionen nicht stationiert werden sollten.
Die Gruppe betonte auch, dass die Blauhelme gut ausgerüstet werden
müssten, um ihr Mandat erfüllen zu können.
Der Bericht kam zu dem Ergebnis, dass die UNO zu wenig Personal zur
Verfügung habe, um die Einsätze erfolgreich durchführen zu können. Die
Experten betonten, dass die Blauhelme in der Lage sein müssten, ihr
Mandat professionell und erfolgreich umzusetzen. Sie müssten sich auf
der Grundlage robuster Einsatzregeln gegen diejenigen verteidigen
können, die ein Friedensabkommen gefährden. Sie forderten vom
Sicherheitsrat, die Friedenssicherungskräfte mit klaren, glaubwürdigen
und erreichbaren Mandaten zu beauftragen. Sie bestanden auch darauf,
dass die Unterstützung durch das UNO-Hauptquartier zu einer der
Hauptaufgaben der Vereinten Nationen werden müsse.
Weitere Reformvorschläge entwickelte die Hochrangige Gruppe für
Bedrohungen, Herausforderungen und Wandel für den UNO-Weltgipfel 2005.
Auch die UNO-Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze entwickelte ein
Reformpapier mit dem Titel „Friedenssicherungseinsätze 2010“.
Die Truppen für die ersten beiden Friedenssicherungseinsätze im Jahr
1948 (UNTSO und UNMOGIP) kamen größtenteils aus Europa, Nord- und
Südamerika sowie Australien, Neuseeland und ihren assoziierten Staaten.
Die Friedenssicherungskräfte waren unbewaffnete Militärbeobachter und
alle männlich.
Während der neunziger Jahre änderte sich die Zusammensetzung, da
viele Industriestaaten nach dem Kalten Krieg ihre Armeen verkleinerten
oder nicht mehr für Friedenssicherungseinsätze zur Verfügung stellten.
Heute sind die größten Truppensteller in Südasien (Pakistan,
Bangladesch, Indien, Sri Lanka, Nepal), und Afrika (Ghana, Nigeria).
Arabische und lateinamerikanische Staaten stellen ebenfalls große
Kontingente. Im Jahr 2006 übernahmen die Europäer beim Einsatz in
Libanon große Verantwortung, als die Friedenssicherungsmission dort
nach dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah vergrößert wurde.
Einige Länder, in denen früher Friedenssicherungskräfte eingesetzt
wurden, stellen inzwischen selbst Soldaten. Darunter sind
Bosnien-Herzegowina, Kambodscha, Kroatien, El Salvador, die ehemalige
Jugoslawische Republik Mazedonien, Guatemala, Namibia, Ruanda und
Sierra Leone.
Friedenssicherungskräfte sind nicht länger nur Soldaten. Die
Aktivitäten der UNO-Polizei haben in den letzten Jahren erheblich
zugenommen. Derzeit sind mehr als 11.000 UNO-Polizisten weltweit im
Einsatz. Im nächsten Jahr soll ihre Zahl auf 16.900 steigen, da sie
auch in Darfur, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik eingesetzt
werden.
Auch Frauen spielen eine immer wichtigere Rolle. Immer mehr sind im
militärischen, polizeilichen oder zivilen Bereich der
Friedenssicherungsmissionen im Einsatz. Im Jahr 2007 wurde ein rein
weibliches Kontingent in Liberia eingesetzt. Es handelte sich um 125
Polizistinnen aus Indien. Ihre Präsenz belegte, dass Frauen einen
besonderen Beitrag bei der Strafverfolgung leisten können.
Die Friedenssicherungseinsätze müssen den neuen Herausforderungen
und politischen Realitäten weiter angepasst werden. Da die Einsätze
immer komplexer wurden, waren die Vereinten Nationen in den vergangenen
Jahren häufig überlastet. Die UNO hat hart daran gearbeitet, um die
Einsätze optimal durchzuführen und ihre wichtigste Aufgabe wahrzunehmen
– den internationalen Frieden und die Sicherheit zu wahren.
In seinem Jahresbericht 2007 drückte der UNO-Generalsekretär seine
Besorgnis darüber aus, dass die zunehmende Komplexität und die
wachsenden Herausforderungen durch die Friedenssicherungseinsätze die
UNO äußerst beanspruchen und ihre Fähigkeit, die Probleme im Feld zu
lösen, beeinträchtigt werden.
Der UNO-Generalsekretär hat deshalb vorgeschlagen, die
Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze neu zu strukturieren. Separat
von der bisherigen Hauptabteilung entstand eine neue Hauptabteilung
Feldunterstützung.
Im Jahr 1997 beschloss der Sicherheitsrat aus Anlass des 50. Jubiläums der Friedenssicherungseinsätze eine Dag Hammarskjöld-Medaille zu verleihen. Seither wird diese Medaille posthum an die Blauhelme verliehen, die im vergangenen Jahr ihr Leben für den Frieden ließen.
Mit der Resolution 57/129 vom 11. Dezember 2002 hat die Generalversammlung den 29. Mai zum Internationalen Tag der Friedenssicherungskräfte bestimmt. Es war der Tag, an dem der erste Friedenssicherungseinsatz beschlossen wurde. Damit sollen all die geehrt werden, die mit Mut und Hingabe für die Blauhelmeinsätze tätig waren und ihr Leben im Dienst für den Frieden verloren haben.
UNO-Friedenssicherung bietet Millionen Menschen ebenso wie schwachen
Staatseinrichtungen nach einem Konflikt notwendige Sicherheit und
Unterstützung. Das Personal von Friedenseinsätzen wird in vom Krieg
erschütterte Regionen entsandt, in die niemand sonst willens oder fähig
ist zu gehen, um Konflikte oder Eskalationen zu verhindern.
Der internationale Charakter der vom UNO-Sicherheitsrat genehmigten
Friedenssicherungseinsätze bietet jeder UNO-Friedensmission eine
beispiellose Legitimität.
UNO-Friedenssicherung ist unparteiisch und ein weithin anerkanntes Instrument für Lastenverteilung und effektives Handeln.
UNO-Friedenssicherung ist ein unabdingbares, stabilisierendes
Element, das Sicherheit nach Konflikten schafft und die Fortsetzung von
Friedensbemühungen erlaubt, aber es ist nicht das einzige Mittel, um
Krisensituationen anzugehen.
UNO-Friedenssicherung unterstützt einen Friedensprozess – sie kann ihn aber nicht ersetzen.
Die UNO ist der größte multilaterale Akteur bei der Stabilisierung
von Staaten nach Konflikten weltweit. Nur die Vereinigten Staaten von
Amerika setzen mehr Militärpersonal als die Vereinten Nationen ein.
Fast 110.000 UNO-Friedenssicherungskräfte leisten Dienst in 20
Friedensmissionen, die von der UNO-Hauptabteilung
Friedens-sicherungseinsätze auf vier Kontinenten, in zwölf Zeitzonen
geleitet werden und direkten Einfluss auf das Leben von Hunderten
Millionen Menschen haben. Die Personalstärke in UNO-Friedenseinsätzen
ist seit 1999 um das Siebenfache gestiegen.
Zusätzlich unterstützt die neue UNO-Hauptabteilung
Feldunterstützung 13 weitere politische und
Friedenskonsolidierungsmissionen, die von der UNO-Hauptabteilung
Politische Angelegenheiten verwaltet werden. Ebenso unterstützt die
Hauptabteilung Feldunterstützung eine Vielzahl von UNO-Friedensbüros,
die logistische und Verwaltungsunterstützung durch das
UNO-Hauptquartier benötigen.
Die UNO hat keine eigenen Streitkräfte. Sie ist abhängig von der
Mitwirkung der Mitgliedstaaten. Im Februar 2008 haben 118 Staaten
Militär- und Polizeikräfte für UNO-Friedenseinsätze bereitgestellt.
Mit Stand April 2008 waren fast 80.000 Soldaten und
Militärbeobachter, über 11.000 Polizeikräfte sowie über 5.000
internationale Zivilkräfte, mehr als 12.000 lokale Zivilkräfte und etwa
2.000 UNO-Freiwillige aus über 160 Ländern im Dienst der Vereinten
Nationen.
Frauen nehmen immer mehr Führungspositionen in der
Friedenssicherung ein: Zwischen Februar 2007 und Januar 2008 nahm der
Frauenanteil um über 40 Prozent in der Friedenssicherung zu. Zurzeit
führt eine Frau eine Friedenssicherungsmission als Sonderbeauftragte
des Generalsekretärs; drei Frauen sind Stellvertretende
Sonderbeauftragte des Generalsekretärs. Ebenso haben Frauen die Stelle
der geschäftsführenden Leiterin der Hauptabteilung Feldunterstützung
und der Stabschefin der Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze inne.
Das erste rein weibliche Kontingent in einer Friedensmission, eine
Polizeieinheit aus Indien, wurde im Jahr 2007 in der UNO-Mission in
Liberia eingesetzt.
Seit 1945 haben UNO-Friedenssicherungskräfte 63 Missionen
unternommen, die vielen Menschen in 45 Ländern die Teilnahme an freien
und fairen Wahlen ermöglichte und dabei half, mehr als 400.000
ehemalige Kämpfer allein im letzten Jahrzehnt zu entwaffnen.
Die UNO ist ein effizienter und kosteneffektiver Dienstleister.
Ihre Spezialisten, insbesondere in integrierten Missionen, verfügen
über eine große Bandbreite von Fähigkeiten, die zur Stabilisierung und
Hilfe in Staaten nach Konflikten benötigt werden. (1)
Im Jahr 2007 hat die UNO-Generalversammlung ein umfangreiches
Programm zur internen Restrukturierung einschließlich der
Reorganisation der Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze und der
Einrichtung der Hauptabteilung Feldunterstützung genehmigt. Die
Umstrukturierung beinhaltete auch eine bedeutende Aufstockung der
Ressourcen, Kapazitäten und den Ausbau integrierter Strukturen, um der
wachsenden Komplexität der mandatierten Aufgaben gerecht zu werden
sowie ein einheitliches Kommando sicherzustellen.
Unter der neuen Struktur konzentriert sich die Hauptabteilung
Friedenseinsätze auf strategische Leitung, Management und Steuerung von
Friedenssicherungseinsätzen, während die Hauptabteilung
Feldunterstützung operationelle Unterstützung und Sachverstand in den
Bereichen Personal-, Finanz- und Fernmeldewesen sowie
Informationstechnologie und Logistik zur Verfügung stellt. Dem Ressort
der Hauptabteilung Friedenseinsätze wurde das neu geschaffene Büro für
Rechtstaatlichkeit und Sicherheitsreform sowie ein erweitertes Büro für
Militärangelegenheiten unterstellt.
UNO-Friedensmissionen sind kostengünstig.
UNO-Friedensmissionen sind bei weitem günstiger als jede andere
Form internationaler Intervention und ihre Kosten werden gerechter auf
die UNO-Mitgliedstaaten aufgeteilt.
Der genehmigte Haushalt für Friedenssicherung für den Zeitraum 1.
Juli 2007 bis 30. Juni 2008 beträgt etwa 6,8 Milliarden US-Dollar. Dies
stellt etwa 0,5 Prozent der weltweiten Militärausgaben dar, die auf
1.232 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006 geschätzt wurden.
Im Vergleich zu den Truppenkosten der Vereinigten Staaten und
anderer Industriestaaten, der Organisation des Nordatlantikvertrags
(NATO) oder regionaler Organisationen sind die Vereinten Nationen bei
weitem die kostengünstigste Option. (2)
Eine kürzlich erstellte Studie von Volkswirtschaftlern der
Universität Oxford hat herausgefunden, dass internationale militärische
Interventionen unter Kapitel VII der Charta der Vereinten Nationen das
kostengünstigste Mittel zur Vermeidung des Wiederaufflammens eines
Krieges in Gesellschaften nach einem Konflikt sind. (3)
Eine Studie des US-Rechnungshofes im Jahre 2005 veranschlagte die
Kosten auf das Doppelte, die den Vereinigten Staaten entstehen würden,
wenn sie eine Friedensmission ähnlich der UNO-Stabilisierungsmission
auf Haiti durchgeführt hätten. Den Vereinigten Staaten wären demnach
Kosten in Höhe von 876 Millionen US-Dollar entstanden gegenüber den
budgetierten 428 Millionen US-Dollar der UNO für die ersten 14 Monate
der laufenden Mission. (4)
Das Sicherheitsumfeld, in dem die letzten Friedenssicherungseinsätze unternommen wurden, zählte zu den schwierigsten und am wenigsten beherrschbaren, die bei internationalen Einsätzen je aufgetreten sind. (5) Friedenssicherungsmissionen werden dort eingesetzt, wo andere nicht können oder wollen, und sie spielen eine bedeutende Rolle beim Brückenschlag zu Stabilität und letztlich langfristigem Frieden und Entwicklung.
Die UNO hat eine wachsende Flexibilität in Strukturen und Arten
ihrer Feldeinsätze bewiesen. Diese Flexibilität hat es ihr erlaubt, auf
einzigartige Herausforderungen und das Risiko der Überdehnung zu
reagieren. (6)
Die UNO geht in zunehmendem Maße Partnerschaften im Bereich
Friedenssicherung mit anderen regionalen Organisationen wie der
Afrikanischen Union und der Europäischen Union ein, um größtmögliche
Wirkung zu erzielen.
Von Einsätzen zur Rechtsdurchsetzung in den Elendsvierteln von
Port-au-Prince auf Haiti bis zur gemeinsamen Mission der Afrikanischen
Union und der UNO in Darfur entwickelt sich UNO-Friedenssicherung
weiter und passt sich den weltweiten Herausforderungen für Frieden und
Sicherheit der heutigen Welt an. Vom Schutz von Zivilisten im Osten der
Demokratischen Republik Kongo bis zu Wahlunterstützung in Timor-Leste
und Liberia passt die UNO-Friedenssicherung die Instrumente des
UNO-Systems an, um einen dauerhaften Frieden zu bewahren und aufzubauen.
Zusätzlich zur Bewahrung von Frieden und Sicherheit sind
Friedenskräfte zunehmend damit beauftragt, politische Prozesse zu
unterstützen, Justizsysteme zu reformieren, Schulungen für den
Rechtsvollzug und für Polizeikräfte durchzuführen, ehemalige Kämpfer zu
entwaffnen und wieder einzugliedern und die Rückkehr von
Binnenvertriebenen und Flüchtlingen zu unterstützen.
Wahlunterstützung der UNO ist zu einem zunehmend entscheidenden
Bestandteil von UNO-Friedensmissionen geworden. Vor kurzem haben
UNO-Friedensmissionen Wahlen in sieben ehemaligen Konfliktländern –
Afghanistan, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Haiti, Irak,
Liberia und Timor-Leste – mit einer Gesamtbevölkerung von über 120
Millionen Menschen unterstützt, die mehr als 57 Millionen registrierten
Wählern die Möglichkeit gab, ihre demokratischen Rechte auszuüben.
Das eigene Personal rechenschaftspflichtig gegenüber den höchsten
Verhaltensstandards zu machen, ist eine der obersten Prioritäten der
UNO-Friedenssicherung. Zum Beispiel hat die UNO-Friedenssicherung eine
umfassende dreigleisige Strategie – Prävention, Durchsetzung und
Wiedergutmachung – eingeführt, um sexuelle Ausbeutung und den
Missbrauch durch UNO-Personal anzugehen. UNO-Friedenssicherung hat
Verhaltens- und Disziplinarabteilungen im Hauptquartier und vor Ort
eingerichtet und arbeitet mit den truppenstellenden Staaten zusammen,
um effektive Verlaufskontrollen und volle Umsetzung der Empfehlungen
aus dem Bericht vom März 2005 von Prinz Zeid Ra’ad Zeid Al-Hussein, dem
Sonderberater des Generalsekretärs in Fragen der sexuellen Ausbeutung
und des sexuellen Missbrauchs durch Friedenssicherungspersonal der
Vereinten Nationen, sicherzustellen.
Allein im Jahr 2007 betrieb die UNO-Friedenssicherung:
Als Teil der UNO-Friedenssicherung unterstützen Minenräumungseinsätze, die vom UNO-Dienst für Antiminenprogramme geleitet werden, die Friedenssicherungskräfte und die Umsetzung der Mandate in Äthiopien/Eritrea, in der Demokratischen Republik Kongo, im Libanon, im Sudan, in Westsahara und auf Zypern. Minenräumungsteams haben bislang 50 Prozent der Hauptstraßen im Süden des Sudans geräumt, was den Konvois der Friedenssicherungskräfte und der Hilfsorganisationen erlaubt, sich in dem Gebiet zu bewegen. Das UNO-Minenräumungszentrum für Afghanistan hat Minen und explosive Rückstände aus dem Krieg von mehr als einer Milliarde Quadratmeter Land geräumt. Das Koordinationszentrum für Minenräumung im Südlibanon, das an die Interimstruppe der Vereinten Nationen in Libanon angeschlossen ist, hat bereits 32,6 Millionen Quadratmeter von den 38,7 Millionen Quadratmetern des Landes geräumt, das durch Streumunition während des Konflikts im Jahr 2006 kontaminiert wurde.
Anmerkungen
(1) James Dobbins et al., “The Beginner's Guide to Nation-Building”, RAND Corporation, 2007
(2) William J. Durch et al., “The Brahimi Report and the Future of UN Peace Operations”, The Henry L. Stimson Center, 2003
(3) Paul Collier / Anke Hoeffler, “The Challenge of Reducing the Global
Incidence of Civil War”, Centre for the Study of African Economies,
Department of Economics, Oxford University, 26. März 2004
(4) “Peacekeeping: Cost Comparison of Actual UN and Hypothetical U.S.
Operations in Haiti”, United States Government Accountability Office,
Report to the Subcommittee on Oversight and Investigations, Committee
on International Relations, House of Representatives, GAO-06-331,
Februar 2006, S. 7
(5) The Challenges Project, “Meeting the Challenges of Peace
Operations: Cooperation and Coordination”, Phase II Concluding Report
2003-2006, Elanders Gotab, Stockholm, 2005
(6) “Annual Review of Global Peace Operations 2007”, Center on International Cooperation, New York, 2007, S. 2-12
Laufende Friedenssicherungseinsätze der Vereinten Nationen unter Leitung der Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze
|
Seit |
Ort |
Name der Mission |
| 1948 | NAHER OSTEN |
UNTSO UN Truce Supervision Organization Organisation der Vereinten Nationen zur Überwachung des Waffenstillstands |
| 1949 | INDIEN / PAKISTAN |
UNMOGIP UN Military Observer Group in India and Pakistan Militärbeobachtergruppe der Vereinten Nationen in Indien und Pakistan |
| 1964 | ZYPERN |
UNFICYP UN Peacekeeping Force in Cyprus Friedenstruppe der Vereinten Nationen in Zypern |
| 1974 | SYRIEN |
UNDOF UN Disengagement Observer Force Beobachtertruppe der Vereinten Nationen für die Truppenentflechtung |
| 1978 | LIBANON |
UNIFIL UN Interim Force in Lebanon Interimstruppe der Vereinten Nationen in Libanon |
| 1991 | WESTSAHARA |
MINURSO UN Mission for the Referendum in Western Sahara Mission der Vereinten Nationen für das Referendum in Westsahara |
| 1993 | GEORGIEN |
UNOMIG UN Observer Mission in Georgia Beobachtermission der Vereinten Nationen in Georgien |
| 1999 | KOSOVO |
UNMIK UN Interim Administration Mission in Kosovo Übergangsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo |
| 1999 | DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO |
MONUC UNO-Mission in the Democratic Republic of the Congo Mission der Organisation der Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo |
| 2000 | ÄTHIOPIEN / ERITREA |
UNMEE UN Mission in Ethiopia and Eritrea Mission der Vereinten Nationen in Äthiopien und Eritrea |
| 2002 | AFGHANISTAN |
UNAMA UN Assistance Mission in Afghanistan Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan |
| 2003 | LIBERIA |
UNMIL UN Mission in Liberia Mission der Vereinten Nationen in Liberia |
| 2004 | CÔTE D'IVOIRE |
UNOCI UN Operation in Côte d'Ivoire Operation der Vereinten Nationen in Côte d’Ivoire |
| 2004 | HAITI |
MINUSTAH UN Stabilization Mission in Haiti Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti |
| 2005 | SUDAN |
UNMIS UN Mission in the Sudan Mission der Vereinten Nationen in Sudan |
| 2006 | SIERRA LEONE |
UNIOSIL UN Integrated Office in Sierra Leone Integriertes Büro der Vereinten Nationen in Sierra Leone |
| 2006 | TIMOR-LESTE |
UNMIT UN Integrated Mission in Timor-Leste Integrierte Mission der Vereinten Nationen in Timor-Leste |
| 2007 | BURUNDI |
BINUB UN Integrated Office in Burundi Integriertes Büro der Vereinten Nationen in Burundi |
| 2007 | DARFUR (Sudan) |
UNAMID AU-UN Hybrid Operation in Darfur Hybrider Einsatz der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen in Darfur |
| 2007 | ZENTRALAFRIKANISCHE REPBULIK / TSCHAD |
MINURCAT UN Mission in the Central African Republic and Chad Mission der Vereinten Nationen in der Zentralafrikanischen Republik und im Tschad |
Die 20 größten Beitragszahler zur UNO-Friedenssicherung
(Stand: 1. Januar 2008)