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Sondergeneralversammlung will Entwicklungshemmnisse der Jugend und Umsetzung der Kinderrechte prüfen

UNIC/482

UNO-Sondertagung über Kinder, 8. - 10. Mai, New York

NEW YORK, 1. Mai 2002 - Die Vereinten Nationen wollen ihrem Engagement für die Kinder und Jugendlichen in aller Welt neuen Ausdruck verleihen und in einer außergewöhnlichen dreitägigen Sondertagung der Generalversammlung die langfristigen Hindernisse prüfen, die dem Wohlergehen und der Entwicklung der Jugend im Wege stehen. Auch neue Herausforderungen für die Förderung und den Schutz der Kinderrechte werden dabei zur Sprache kommen.

An der vom 8. - 10. Mai in New York stattfindenden Sondertagung werden mehr als 70 Staats- und Regierungschefs, sowie Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Anwälte der Kinderrechte und auch Jugendliche selbst teilnehmen. Ursprünglich war die Sondertagung für September 2001 geplant gewesen.

Bei der Sondertagung wird eine beispiellos hohe Anzahl von Jugendlichen in den Regierungsdelegationen mitwirken. Bis jetzt sind 179 der insgesamt 300 jungen Teilnehmer als offizielle Delegationsmitglieder der Regierungen von 101 Ländern gemeldet. Die restlichen Kinder gehören den Delegationen akkreditierter Nichtregierungsorganisationen (NRO) an. Man erwartet allerdings eine noch höhere Anzahl von jungen Teilnehmern, die einen bemerkenswerten Gegenpol zu den Staats- und Regierungschefs bilden werden.

„Es erscheint vielleicht logisch, junge Menschen zu einer Konferenz einzuladen, die sich ausschließlich ihrem Wohlergehen widmen soll. Aber für ein so hochrangiges Treffen ist das wirklich etwas radikal Neues“, betonte die Exekutivdirektorin des UNO-Kinderhilfswerkes UNICEF, Carol Bellamy. „Kinder werden buchstäblich Seite an Seite mit Staatspräsidenten und Ministerpräsidenten sitzen und die Chance haben, sich Gehör für ihre Anliegen zu verschaffen und den Verlauf der Debatte zu beeinflussen.“

In seinem Bericht über die Vorbereitungen für die Sondertagung hatte der stellvertretende UNICEF-Direktor Andre Roberfroid im vergangenen Oktober vor dem Dritten Hauptausschuss der Generalversammlung darauf verwiesen, dass die für die Verschiebung des bisher größten Welttreffens über Fragen der Kinder verantwortliche Tragödie nur unterstreiche, wie dringlich eine neue Agenda für eine humanere, kindergerechte Welt sei. Diese Forderung haben sich die Delegierten zu eigen gemacht und den Ruf nach einer humaneren und kindergerechteren Welt als Überschrift des geplanten Abschlussdokumentes genommen.

Als wichtiger Schritt hin zu einer neuen Welt-Jugend-Agenda dient eine Analyse der seit dem Weltkindergipfel von 1990 erzielten Fortschritte. Auf dem Gipfel hatten sich die Regierungen angesichts der nahezu universellen Ratifikation der Konvention über die Rechte der Kinder zu konkreten und zeitlich festgelegten Zielen für das Überleben, den Schutz und die Entwicklung der Kinder verpflichtet. Die wichtigsten 1990 angesprochenen Fragen sind nach wie vor von zentraler Bedeutung für die neuen globalen Ziele. Dazu gehören die weitere Absenkung der Säuglings- und Müttersterblichkeit, der bessere Zugang zu gesundem Trinkwasser und Abwasserentsorgung und die Garantie der Grundschulausbildung für alle Kinder. Die in New York versammelten Spitzenpolitiker sollen strategische Ansätze für die Lösung der Probleme der Kinder festlegen und sich zur Aufbringung der dafür erforderlichen personellen und wirtschaftlichen Mittel verpflichten.

Gleichzeitig verspricht die aktive Teilnahme der Kinder und die erwartete Beteiligung von mehr als 1.000 Vertretern von auf diesem Gebiet tätigen Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt eine weit über das übliche Format offizieller Regierungsvertreter hinausgehende Plattform, auf der konkrete Bedürfnisse der Kinder von der Basis her gesehen angesprochen werden sollen. Von den 3.765 für die Sondertagung akkreditierten NROs hatten 1.673 bisher noch keinen offiziellen Kontakt zu den Vereinten Nationen. Den Stimmen der Kinder und der Gemeinschaftsgruppen, die am engsten mit den Kindern arbeiten, bei der internationalen Entscheidungsfindung Gehör zu verschaffen, stellt einen historischen Durchbruch für Konferenzen der Vereinten Nationen dar.

Der Großteil der Kinderdelegierten wird zunächst an dem vom 5. - 7. Mai stattfindenden Kinderforum teilnehmen, auf dem sie ihre Stellungnahmen und Positionen zu den von den Regierungen im Plenum der Sondertagung zu erörternden Themen festlegen werden. Das Forum wird zwei Sprecher wählen, die seine Ergebnisse im Plenum vortragen werden. Darüber hinaus wird es für die jungen Delegierten zahlreiche Kontaktgelegenheiten mit den Spitzenpolitikern geben, darunter auch eine Reihe von nichtöffentlichen Sitzungen.

Der Geist der Solidarität zwischen den Generationen, der die Arbeit dieser Sondertagung kennzeichnen wird, soll auch zu konkreten Zielen und einem Aktionsplan führen, der für die Umsetzung der wichtigsten Ergebnisse Sorgen tragen soll. Es geht dabei um nichts weniger als die Gewährleistung des bestmöglichen Starts in das Leben für alle Kinder, einer guten Grundausbildung für alle Kinder und der Chance für alle Kinder und Jugendlichen auf eine sinnvolle Teilhabe am Leben ihrer Gemeinschaft.

Hauptdokumente

Hunderte Nichtregierungsorganisationen haben bereits ihren Beitrag zu den zwei Hauptdokumenten der Sondertagung geleistet: dem überarbeiteten Bericht des Generalsekretärs „Wir, die Kinder: Die Versprechen des Weltkindergipfels erfüllen“, die umfassendste Studie, die jemals über die Lebensbedingungen von Kindern veröffentlicht wurde. Der Bericht kann auf Daten aus fast 150 Ländern zurückgreifen, die nachweisen, dass Ungleichheit und weit verbreitete Armut in einem direkten Zusammenhang zu fehlenden Investitionen in junge Menschen stehen, insbesondere in ihre Gesundheit, ihre Bildung und ihren Schutz (Näheres siehe Pressemitteilung UNIC/480 vom 2. Mai 2002).

In einem Abschlussdokument wollen die Mitgliedstaaten unter dem Titel „Eine kindergerechte Welt“ weitreichende Zielsetzungen verabschieden, die sich mit den vordringlichsten Problemen Kindersterblichkeit, Aids, Ausbeutung und Armut befassen. Die 21 vorgeschlagenen Ziele dürften weitreichende Auswirkungen haben und werden einen wichtigen Beitrag zu den vor zwei Jahren von den Staats- und Regierungschefs angenommenen Entwicklungszielen des Millenniums leisten.

Aufbauend auf den Verpflichtungen, die bei den internationalen Konferenzen in den 90er Jahren eingegangen worden sind, ist die Zielvorstellung im Jahr 2002, Millionen Menschen innerhalb einer Generation aus der Armut zu befreien. Mit der Bündelung dieser Ziele in einem einzigen Dokument rücken die Regierungen die Kinder als Eckpfeiler einer stabilen, blühenden Gesellschaft in den Mittelpunkt.

Aber es sind auch neue Ziele hinzugekommen, vor allem im Kontext von HIV/Aids und dem Schutz von Kindern. Dies spiegelt die sich wandelnden Herausforderungen für die Welt der Kinder wider. Fünf Punkte beschäftigen sich mit dem Schutz der Kinder vor Missbrauch, Vernachlässigung, Ausbeutung und Gewalt. Aufgrund ihrer oft versteckten und nicht dokumentierten Natur werden zu diesen Sachverhalten keine spezifischen Ziele vorgeschlagen. Vielmehr soll sich jede Regierung einverstanden erklären, Missbrauch zu untersuchen, Standards zur Überwachung zu entwickeln und die Kinder durch angemessene Gesetzgebung zu schützen.

Drei Ziele sind dem Thema HIV/Aids gewidmet, dessen verheerende Auswirkungen im Jahr 1990 bei weitem nicht geahnt wurden. Heute sind Kinder sowohl vorrangigen Opfer der Krankheit als auch Schlüsselfiguren, um deren Übertragung zu durchbrechen.

Die internationale Gemeinschaft soll sich auf der Sondertagung auch zu verschiedenen Schutzmaßnahmen für Kinder verpflichten, vor allem zum Schutz vor sexueller Ausbeutung, den Auswirkungen von bewaffneten Konflikten, Kinderarbeit und allen Formen des Missbrauchs. Von diesem Engagement soll die wichtige Botschaft ausgehen, dass wirksame nationale Maßnahmen und Programme entwickelt werden müssen, damit Schutz gewährt werden kann.

„Gesunde und ausgebildete Kinder sind nicht nur die Folge von Wirtschaftswachstum“, sagte Frau Bellamy. „Sie sind sein entscheidender Motor. Wenn wir in Entwicklung investieren wollen, dann müssen wir zuallererst in Kinder investieren. Ein einziges Paket globaler Ziele zum Schutz der Kinder kann die Welt in diese Richtung bewegen.“

Videobotschaft von Ban Ki-moon zum Tag der Vereinen Nationen am 24. Oktober 2014

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