Kofi A. Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen
UNIC/BIO/13/Rev.1*, Januar 2002, KURZBIOGRAFIE

Der
Ghanaer Kofi Annan ist der siebte Generalsekretär der Vereinten
Nationen. Als erster Generalsekretär, der aus den Reihen der
Mitarbeiter der Vereinten Nationen gewählt wurde, trat er sein Amt am
1. Januar 1997 an. Er wurde am 29. Juni 2001 von der Generalversammlung
der Vereinten Nationen auf Vorschlag des Sicherheitsrates für eine
zweite Amtszeit (1. Januar 2002 bis 31. Dezember 2006) wieder gewählt.
Generalsekretär Annan hat es sich zur vorrangigen Aufgabe gemacht, die
Vereinten Nationen durch ein umfassendes Reformprogramm neu zu beleben;
den traditionellen Einsatz der Organisation im Bereich der Entwicklung
und der Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit zu
stärken; die Menschenrechte, die Rechtsstaatlichkeit und die
allgemeinen Grundwerte der Gleichheit, Toleranz und Menschenwürde, die
in der Charta der Vereinten Nationen festgelegt sind, zu fördern und zu
verteidigen; und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Organisation
dadurch zu stärken, dass Kontakte zu neuen Partnern geknüpft und “die
Vereinten Nationen näher an die Menschen herangebracht“ werden.
Kofi Annan wurde am 8. April 1938 in Kumasi, Ghana geboren. Er
studierte an der Universität für Wissenschaft und Technologie in Kumasi
und schloss sein Grundstudium der Wirtschaftswissenschaften 1961 am
Macalester College in St.Paul, Minnesota, USA, ab. Von 1961 bis 1962
setzte er seine weitere wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung am
Universitätsinstitut für Höhere Internationale Studien in Genf fort.
Als Sloan-Stipendiat erwarb er 1971-1972 am Massachusetts Institut für
Technologie (MIT) seinen Magistertitel in Management.
Seine
berufliche Laufbahn bei den Vereinten Nationen begann 1962 als
Verwaltungs- und Budgetreferent in der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) in Genf. Danach war Kofi Annan bei der Wirtschaftskommission der
Vereinten Nationen für Afrika (ECA) in Addis Abeba, bei den
Notfallstreitkräften der Vereinten Nationen (UNEF II) in Ismailia; im
Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) in
Genf und am Sitz der Vereinten Nationen in New York als Beigeordneter
Generalsekretär für Personalverwaltung und Sicherheitskoordinator für
das System der Vereinten Nationen (1987-1990), sowie als Beigeordneter
Generalsekretär für Programmplanung, Budget, Finanzen und als
Controller (1990-1992) tätig.
Nach der Invasion Kuwaits durch
Irak wurde Kofi Annan 1990 vom damaligen Generalsekretär beauftragt,
sich vor Ort für die Repatriierung von mehr als 900 internationalen
Angestellten einzusetzen und die Verhandlungen über die Freilassung der
westlichen Geiseln zu führen. Später leitete er das erste
internationale Team, das mit dem Irak über das
“Öl-für-Lebensmittel“-Programm zur Finanzierung humanitärer Hilfe
verhandelte.
Vor seiner Ernennung zum Generalsekretär war Kofi
Annan Beigeordneter Generalsekretär (März 1992-Februar 1993) und dann
Untergeneralsekretär für Friedenssicherungseinsätze (März 1993-Dezember
1996). In seine Amtszeit als Untergeneralsekretär fiel die beispiellose
Ausweitung der Anzahl und Aufgabenbereiche der
Friedenssicherungseinsätze der Vereinten Nationen. 1995 erreichten
diese Einsätze mit insgesamt fast 70.000 militärischen und zivilen
Einsatzkräften aus 77 Ländern ihren Höhepunkt. Nach dem
Friedensabkommen von Dayton, mit dem der Krieg in Bosnien-Herzegowina
beendet wurde, war Kofi Annan von November 1995 bis März 1996
Sonderbeauftragter des Generalsekretärs für Jugoslawien und
koordinierte den Übergang von der Schutztruppe der Vereinten Nationen
im ehemaligen Jugoslawien (UNPROFOR) zur multinationalen
Durchführungstruppe (IFOR) unter Führung der NATO.
Seine erste
wichtige Initiative als Generalsekretär war sein Reformplan zur
“Erneuerung der Vereinten Nationen“, den er den Mitgliedsstaaten im
Juli 1997 vorstellte und der danach mit Blick auf die ständige
Verbesserung von Kohärenz und Koordination im Sekretariat weiter
verfolgt wurde. Sein Bericht vom April 1998 an den Sicherheitsrat über
die “Ursachen von Konflikten und die Förderung von dauerhaftem Frieden
und nachhaltiger Entwicklung in Afrika“, war eine von mehreren
Initiativen, um das Engagement der internationalen Gemeinschaft
gegenüber Afrika, der am meisten benachteiligten Region der Welt,
aufrechtzuerhalten.
Generalsekretär Annan hat in einer Reihe
schwieriger politischer Situationen seine guten Dienste zur Verfügung
gestellt. Dazu zählen u.a. seine Bemühungen im Jahr 1998, den Irak zur
Zustimmung zu den Resolutionen des Sicherheitsrates zu bewegen, eine
1998 unternommene Mission zur Förderung des Übergangs zu einer
Zivilregierung in Nigeria und 1999 eine Vereinbarung, die einen Weg aus
der Sackgasse in den Verhandlungen zwischen Libyen und dem
Sicherheitsrat über den Bombenanschlag von Lockerbie (1988) aufzeigte.
1999 hat er auf diplomatischem Weg dazu beigetragen, eine
internationale Reaktion auf die Gewaltausbrüche in Ost-Timor zustande
zu bringen und im September 2000 hat er den Abzug Israels aus dem
Libanon verifiziert. Seit dem erneuten Ausbruch von Gewalt im September
2000 hat er weitere Anstrengungen unternommen, um Israelis und
Palästinenser wieder an den Verhandlungstisch zu einer friedlichen
Beilegung ihrer Streitigkeiten zu bringen, die auf der Grundlage der
Resolutionen 242 und 338 des Sicherheitsrats und des Prinzips „Land für
Frieden“ erfolgen soll.
Kofi Annan hat sich außerdem darum
bemüht, die Stellung der Frauen im Sekretariat der Vereinten Nationen
zu verbessern und sich für engere Partnerschaften mit der
Zivilgesellschaft, dem privaten Sektor und anderen nichtstaatlichen
Akteuren eingesetzt, die einen wichtigen Beitrag zur Arbeit der
Vereinten Nationen leisten. Er hat dazu insbesondere einen „Globalen
Pakt“ vorgeschlagen, der Manager globaler Unternehmen, internationale
Gewerkschaftsführer sowie Vertreter der Zivilgesellschaft mit dem Ziel
zusammenführen soll, alle Menschen auf der Welt am Nutzen der
Globalisierung Anteil nehmen zu lassen. So sollen die globalen
Marktkräfte in Werten und Praktiken verankert werden, die den sozialen
und wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung tragen.
Im April
2000 hat der Generalsekretär einen Millenniumsbericht mit dem Titel
„Wir, die Völker: Die Rolle der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert“
veröffentlicht. Darin ruft er die Mitgliedstaaten auf, sich auf einen
Aktionsplan zu verpflichten, um Armut und Ungleichheit zu beenden, die
Bildung zu verbessern, die Verbreitung von HIV/Aids einzudämmen, die
Umwelt zu erhalten und die Menschen vor tödlichen Konflikten und Gewalt
zu schützen. Die Millenniumserklärung, die von den Staats- und
Regierungschefs auf dem Millenniumsgipfel Anfang September 2000 am Sitz
der Vereinten Nationen in New York verabschiedet wurde, baut auf diesem
Bericht auf.
Im April 2001 veröffentlichte der Generalsekretär
einen fünf Punkte umfassenden Plan gegen die HIV/Aids Epidemie, die er
als sein „besonderes persönliches Anliegen“ bezeichnete. Darin schlug
er vor, einen globalen Aids- und Gesundheitsfonds einzurichten, über
den die zur Bewältigung der Krise in den Entwicklungsländern
erforderlichen zusätzlichen Mittel fließen sollen.
Am 10.
Dezember 2001 wurden der Generalsekretär und die Vereinten Nationen mit
dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das Nobel-Komitee würdigte Kofi
Annans “herausragende Tätigkeit, die der Organisation neuen Schwung
gebracht“ habe. Anlässlich der Verleihung des Preises an die
Weltorganisation erklärte das Komitee, “der einzig verhandelbare Weg zu
Frieden und Zusammenarbeit auf der Welt führt über die Vereinten
Nationen.“
Der Generalsekretär spricht Englisch, Französisch
und mehrere afrikanische Sprachen. Er ist mit Nane Annan, einer
schwedischen Juristin und Künstlerin verheiratet, die sich sehr für die
Arbeit der Vereinten Nationen vor Ort interessiert. Die Bereiche
HIV/Aids und Bildung für Frauen liegen ihr dabei besonders am Herzen.
Außerdem ist sie Autorin eines Kinderbuches über die Vereinten
Nationen. Das Ehepaar hat drei Kinder.
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* Die vorliegende Fassung ersetzt die Pressemitteilung UNIC/BIO/13 vom September 2001.