Freitag, 24 November 2017
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Ein Jahrzehnt der Prüfungen, eine Ära der Möglichkeiten, von Ban Ki-moon, 29. September 2016

Unsere Welt steht vor gewaltigen Herausforderungen. Eine Kluft des Misstrauens entzweit Bürger von ihren Führenden. Extremisten drängen Menschen in Lager für „uns“ und „die“. Die Erde bestürmt uns mit steigendem Meerespiegel und Rekordhitze. 130 Millionen Menschen brauchen lebensrettende Hilfe, mehrere zehn Millionen davon sind Kinder und junge Menschen – unsere nächste Generation ist bereits gefährdet.

Nach zehn Jahren im Amt bin ich überzeugt, dass wir die Macht haben, Kriege, Armut und Verfolgung zu beenden, die Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen, und die Rechte im Leben von Menschen zu verwirklichen. Mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung haben wir ein neues Manifest für eine bessere Zukunft. Und mit dem Pariser Abkommen über den Klimawandel können wir die wichtigste Herausforderung unserer Zeit in Angriff nehmen.

Diese großen Gewinne werden durch gravierende Sicherheitsrisiken bedroht. Bewaffnete Konflikte wurden langwieriger und komplexer. Das Versagen von Regierungen hat viele Gesellschaften destabilisiert. Radikalisierungen haben den sozialen Zusammenhalt bedroht – genau die Reaktion, die gewalttätige Extremisten suchen und wollen. Die tragischen Konsequenzen sind vom Jemen bis Libyen und Irak, von Afghanistan bis zum Sahel und dem Tschadsee sichtbar. Der Konflikt in Syrien hat die größte Zahl an Menschenleben gefordert und säht breiteste Instabilität, nachdem die syrische Regierung weiterhin die Nachbarschaften bombardiert und mächtige Förderer die Kriegsmaschinerie füttern. Grauenhafte Verbrechen wie der jüngste Angriff auf den UN-Syrisch-Arabischen Roter Halbmond-Hilfskonvoi müssen zur Verantwortung gezogen werden. Ich dränge alle die Einfluss haben, Gespräche für einen längst überfälligen politischen Übergang in Gang zu setzen. Die Zukunft Syriens sollte nicht vom Geschick eines einzelnen Mannes abhängen.

An zu vielen Orten schreiben Regierungschefs Verfassungen um, manipulieren Wahlen, inhaftieren ihre Kritiker und unternehmen andere verzweifelte Schritte, um an der Macht festzuhalten. Die Führenden müssen verstehen, dass Amtsführung Vertrauenssache ist, das von Menschen gewährt wird, und kein persönliches Eigentum.

Die kürzlich angenommene New Yorker Erklärung zu Flüchtlingen und Migranten kann uns helfen, die größten Zwangsvertreibungen von Menschen seit dem Zweiten Weltkrieg besser anzugehen. Nur allzu oft begegnet man Flüchtlingen und Migranten mit Hass, besonders Muslimen. Die Welt muss sich gegen politische Führer und Anwärter aussprechen, die sich in dunkler und gefährlicher politischer Mathematik üben, nach der man Stimmen gewinnt, wenn man Menschen teilt und Angst multipliziert.

Rückblickend auf die zehn Jahre im Amt bin ich stolz, dass UN Women ins Leben gerufen wurde und zum Verfechter für Geschlechtergleichstellung und Ermächtigung wurde, mit dem Ziel eines „50:50-Planeten“. Ich bin stolz, mich selbst als Feministen zu bezeichnen. Wir müssen dennoch weit mehr machen, um die tiefsitzende Diskriminierung und chronische Gewalt gegen Frauen zu beenden und ihre Teilnahme an der Entscheidungsfindung voranzutreiben. Ich habe auch die Rechte aller Menschen nachdrücklich verteidigt, unabhängig von Ethnie, Religion oder sexueller Orientierung, sowie die Freiheiten der Zivilgesellschaft und unabhängigen Medien, um ihrer wichtige Rolle gerecht zu werden.

Kontinuierlicher Fortschritt braucht neue Höhen an Solidarität – und andauernde Bemühungen, um die Friedenseinsätze zu stärken und die Vereinten Nationen auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Die Mitgliedstaaten haben sich noch immer nicht auf ein Rezept für die Reform des Sicherheitsrates geeinigt – ein anhaltendes Risiko für seine Effektivität und Legitimität. Viel zu oft habe ich gesehen, dass gute Ideen und weitreichend unterstützte Vorschläge durch den Rat, die Generalversammlung und andere Organe in der Konsensfindung blockiert wurden. Konsens sollte nicht mit Einstimmigkeit verwechselt werden. Dies würde damit enden, dass einigen Ländern oder sogar nur einem Staat unverhältnismäßige Macht erteilt würde und so die Welt bei wichtigen Themen in Schach halten würde.

Im vergangenen Jahrzehnt habe ich fast alle UNO-Mitgliedstaaten besucht. Was ich gesehen habe – mehr als Regierungsgebäude und weltweite Wahrzeichen – ist die bemerkenswerte Macht von Menschen. Eine perfekte Welt könnte sich am fernen Horizont abzeichnen. Aber ein Weg zu einer besseren Welt, einer sichereren Welt, einer gerechteren Welt liegt in jedem von uns. Ich weiß, dass wir durch gemeinsames und vereintes Arbeiten in zehn Jahren dort hinkommen können.

Der Autor ist Generalsekretär der Vereinten Nationen

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