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Noch 1.000 Tage - Gastkommentar von Ban Ki-moon im Tagesspiegel, 28.3.2013

Gastbeitrag von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zu den Millenniumszielen im Tagesspiegel, 28.3.2013

Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, um das Millenniumsversprechen einzuhalten. Aber wenn wir vier Dinge tun, können wir es schaffen.


Am 5. April werden wir einen entscheidenden Moment im Kampf gegen die Armut erleben. Dann sind es noch 1000 Tage, um die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) zu erreichen.
Diese acht Ziele sind im Jahr 2000 beschlossen worden. Damals hatten sich die Staats- und Regierungschefs bei den Vereinten Nationen versammelt und darauf geeinigt, Armut und Hunger weltweit zu halbieren, den Klimawandel und schwere Krankheiten zu bekämpfen, für sauberes Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen zu sorgen, mehr für Bildung zu tun sowie bessere Chancen für Mädchen und Frauen zu schaffen.

Es war nicht das erste Mal, dass Politiker große Versprechen abgegeben hatten.

Zyniker hatten erwartet, dass die MDGs bald für unerreichbar erklärt werden würden – da sie sehr ambitioniert waren. Doch die Ziele haben bemerkenswerte Ergebnisse erbracht.
Zwölf Jahre später leben 600 Millionen Menschen weniger in extremer Armut. Das ist ein Minus von 50 Prozent. Eine Rekordzahl an Kindern besucht eine Grundschule und zum ersten Mal sind es genau so viele Mädchen wie Jungen. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist gesunken. Durch gezielte Investitionen in den Kampf gegen Malaria, HIV/Aids und Tuberkulose konnten Millionen Menschenleben gerettet werden. In Afrika sank die Zahl der Aids-Toten in den vergangenen sechs Jahren um ein Drittel.

Es gibt aber auch Ziele, bei denen wir deutlich mehr Fortschritt brauchen. Noch immer sterben zu viele Frauen während der Geburt, obwohl wir sie retten können. Noch immer fehlt es in manchen Gebieten an einfachsten Sanitäreinrichtungen. So wird Wasser zu einer tödlichen Bedrohung. In vielen Teilen der Welt wächst die Ungleichheit, und zu viele Menschen bleiben unbeachtet.
Um schnellere Fortschritte zu erzielen, sollte sich die internationale Gemeinschaft auf vier Punkte einigen: Erstens sollten strategische und gezielte Investitionen erfolgen, die einen Multiplikatoreffekt bewirken und auch in anderen Bereichen Erfolge verstärken: Wir brauchen eine Million Frauen und Männer für das Gesundheitssystem in Afrika, die in schwer erreichbaren Gegenden eingesetzt werden können und mit einfachen Methoden und durch Vorbeugung die Mütter- und Kindersterblichkeit senken. Wir brauchen mehr Geld für Sanitärversorgung und einen weltweiten Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, einschließlich der Notfallversorgung während einer Geburt. Außerdem sind ausreichende Mittel nötig, um HIV und Malaria zu bekämpfen. Frauen und Mädchen gleichen Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, Nahrung und wirtschaftlichen Möglichkeiten zu verschaffen, ist eines der stärksten Mittel, um bei allen Zielen voranzukommen.

Zweitens müssen wir uns auf die ärmsten Länder konzentrieren, in denen 1,5 Milliarden Menschen leben. Dort herrschen Hunger, Konflikte, schlechte Regierungsführung, weitverbreitete Kriminalität und Gewalt. In diesen Ländern gibt es trotz aller Mühe kaum Fortschritte. Viele von ihnen haben bisher nicht einmal ein einziges Millenniumsziel erreicht.

Drittens müssen wir unsere finanziellen Versprechen halten. Haushalte können nicht auf dem Rücken der Ärmsten ausgeglichen werden. Das ist ethisch inakzeptabel und wird weder den Gebern noch den Empfängern helfen.

Viertens sollte die 1000-Tage- Marke ein weltweiter Aufruf zum Handeln sein – für Regierungen wie für die Basis. Wir müssen auch neue Technologien und soziale Medien dafür nutzen. All das war noch nicht verfügbar, als die Ziele zur Jahrtausendwende formuliert worden waren.
Die MDGs haben bewiesen, dass weltweite Entwicklungsziele einen entscheidenden Unterschied erbringen können. Sie können mobilisieren, vereinigen und inspirieren. Sie können zu Innovationen führen und die Welt verändern.

Erfolge in den kommenden 1000 Tagen werden nicht nur das Leben von Millionen Menschen verbessern, sie werden auch zu neuem Antrieb für die Zeit nach 2015 führen. Es bleibt viel zu tun. Die MDGs haben bewiesen, dass – politischer Wille vorausgesetzt – extreme Armut abgeschafft werden kann. Wir müssen das Beste aus den kommenden 1000 Tagen herausholen und das Millenniumsversprechen einhalten.

Der Autor ist Generalsekretär der Vereinten Nationen.

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