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Die Zukunft, die wir wollen - Gastbeitrag von Ban Ki-moon zur Rio+20 Konferenz in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau, 30.5. 2012

Gastkommentar von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zur Rio+20 Konferenz in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau vom 30. Mai 2012

Es fehlt weltweit an Jobs, die Lücke zwischen Reichen und Armen wird größer. Auf der Konferenz Rio + 20 geht es um nachhaltige Weichenstellungen.

Vor 20 Jahren fand der Erdgipfel in Rio de Janeiro statt, bei dem sich die Staats- und Regierungschefs auf eine ehrgeizige Agenda für eine sicherere Zukunft geeinigt hatten. Sie versuchten, die Ziele eines soliden wirtschaftlichen Wachstums und den Bedürfnissen einer wachsenden Weltbevölkerung mit der ökologischen Notwendigkeit zu verbinden, die die wertvollsten Ressourcen des Planeten, Boden, Luft und Wasser, schützt. Zwei Jahrzehnte später sind wir zurück in der Zukunft. Die Herausforderungen für die Menschheit sind ziemlich dieselben wie damals, nur noch größer.

Das globale Wirtschaftswachstum pro Kopf und eine Weltbevölkerung, die seit letztem Jahr sieben Milliarden Menschen umfasst, belasten die sensiblen Ökosysteme wie noch nie zuvor. Wir erkennen, dass wir nicht weiter unseren Weg zu Wohlstand mit noch mehr Konsum und auf Kosten der Umwelt verfolgen können. Aber noch immer haben wir den offensichtlichen Weg nicht verinnerlicht. Die einzig mögliche Lösung heißt, genau wie vor 20 Jahren: nachhaltige Entwicklung.

In weniger als einem Monat werden sich die Staats- und Regierungschefs wieder in Rio treffen. Dieses Mal zur UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung oder Rio+20. Wieder bietet Rio einer Generation die Chance, den Knopf für einen Neustart zu drücken, einen neuen Kurs festzulegen, um wirtschaftliche, soziale und umweltpolitische Eckpunkte für Wohlstand und menschliches Wohlergehen zu bestimmen.

Mehr als 130 Staats- und Regierungschefs werden zusammenkommen, über 50 000 Vertreter von Unternehmen, Bürgermeister, Aktivisten und Investoren werden zu ihnen stoßen – eine weltweite Koalition des Wandels. Aber der Erfolg ist nicht garantiert. Um unsere Welt für künftige Generationen zu sichern, brauchen wir die Partnerschaft und das volle Engagement der politischen Führer, von reichen und armen Nationen, von großen und kleinen Ländern. Ihre gemeinsame Herausforderung: Weltweite Unterstützung für einen Plan des Wandels zu gewinnen. Es geht um eine konzeptionelle Revolution, mit der darüber entschieden wird, wie wir dynamisches, aber dennoch nachhaltiges Wachstum für das 21. Jahrhundert und darüber hinaus schaffen.

Über diesen Plan müssen die Politiker entscheiden, in Übereinstimmung mit den Wünschen Ihrer Bürgerinnen und Bürger. Wenn ich einen Rat als UN-Generalsekretär geben sollte, dann würde ich empfehlen, sich auf die drei Pfeiler zu konzentrieren, die Rio+20 zu einer Konferenz der entscheidenden Weichenstellungen machen. Erstens sollte Rio+20 für ein neues Denken sorgen. Das alte Wirtschaftsmodell bricht zusammen. An vielen Orten sinkt das Wachstum. Es fehlen Jobs, die Lücke zwischen Reichen und Armen wird größer. Nahrungsmittel, Treibstoff und natürliche Ressourcen, von denen die Menschen abhängen, werden knapp. In Rio werden die Teilnehmer versuchen, auf dem Erfolg der Millenniumsziele aufzubauen, die Millionen Menschen aus der Armut helfen konnten. Ein neuer Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit kann das leisten, was Wirtschaftswissenschaftler als die drei entscheidenden Faktoren sehen: ein Wirtschaftswachstum, das Arbeitsplätze schafft in Verbindung mit Umweltschutz und sozialer Teilhabe. Zweitens soll es bei Rio+20 um die Menschen gehen und um die konkrete Hoffnung auf echte Verbesserungen im täglichen Leben. Die Verhandlungsteilnehmer müssen sich entscheiden, ob sie durch ihre Beschlüsse eine Welt schaffen wollen, in der es keinen Hunger und keine unterentwickelten Kinder mehr gibt und Lebensmittel nicht mehr verschwendet werden. Rio+20 sollte denen eine Stimme geben, die wir am seltensten hören: Frauen und junge Menschen. Frauen müssen ein gleichberechtigtes Leben führen können. Sie spielen eine entscheidende Rolle für wirtschaftliche Dynamik und soziale Entwicklung. Junge Menschen sind unsere Zukunft. Bieten wir ihnen genügend Chancen? Jedes Jahr suchen 80 Millionen von ihnen den Einstieg ins Berufsleben. Drittens sollte von Rio+20 ein deutlicher Ruf zum Handeln ausgehen: Stoppt die Verschwendung! In Rio müssen die Regierungen darauf drängen, Ressourcen intelligenter zu nutzen.

In Rio werde ich Regierungen, Unternehmen und andere Beteiligte auffordern, meine Initiative „Nachhaltige Energie für alle" weiter zu entwickeln. Das Ziel: Weltweiten Zugang zu nachhaltiger Energie zu schaffen sowie die Energieeffizienz und den Verbrauch erneuerbarer Ressourcen bis 2030 zu verdoppeln.

Da so viele Herausforderungen global sind, brauchen wir eine globale Antwort. Gemeinsame Anstrengungen innerhalb einer starken Partnerschaft. Dies ist nicht die Zeit für engstirniges Gezanke. Dies ist die Zeit, in der sich die politischen Führer und ihre Völker für ein gemeinsames Ziel und eine gemeinsame Zukunft stark machen müssen: für die Zukunft, die wir wollen.

Ban Ki-Moon ist Generalsekretär der Vereinten Nationen.

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