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"So ist es eben - nicht" Ein Gastbeitrag von Michelle Bachelet, Leiterin von UN Women in Sueddeutsche Zeitung online vom 25. November 2011

 

Mehr als die Hälfte aller Frauen weltweit erlebt mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle oder physische Gewalt. Trotz vieler Fortschritte ist Gewalt gegen Frauen noch immer die häufigste Menschenrechtsverletzung - und jene, die am wenigsten verfolgt wird. Das muss sich ändern.

Als junges Mädchen habe ich in meinem Heimatland Chile ein Sprichwort gehört: "Quien te qiere te aporrea" - "Wer dich liebt, der schlägt dich". Ich erinnere mich an eine Frau, die sagte: "So ist es eben."

Heute, da die Gesellschaft gerechter und demokratischer geworden ist, ist auch das Bewusstsein gewachsen, dass Gewalt gegen Frauen weder unvermeidlich noch akzeptabel ist. Diese Akte werden immer stärker als das verurteilt, was sie sind: Menschenrechtsverletzungen, eine Bedrohung für die Demokratie, Frieden und Sicherheit und eine schwere Last für die Wirtschaft der Länder.

Heute begehen wir den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. In den vergangen Jahrzehnten haben wir viele Fortschritte erzielt. Heute gibt es in 125 Staaten Gesetze zum Schutz vor häuslicher Gewalt. Das war vor einem Jahrzehnt noch ganz anders.

Der UN-Sicherheitsrat sieht sexuelle Gewalt inzwischen als eine absichtlich eingesetzte Kriegstaktik an. Klare Fortschritte beim Völkerrecht ermöglichen es, sexuelle Gewalt während und nach Konflikten strafrechtlich zu verfolgen. Aber leider sind Diskriminierung und Gewalt noch allgegenwärtig.

Häusliche Gewalt gilt nicht überall als Straftat

Weltweit leben 603 Millionen Frauen in Ländern, in denen häusliche Gewalt nicht als Straftat gilt. Weltweit haben etwa 60 Prozent aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle oder physische Gewalt erfahren müssen. Über 60 Millionen Mädchen sind Kinderbräute und schätzungsweise 100 bis 140 Millionen Frauen und Mädchen mussten eine Genitalverstümmelung über sich ergehen lassen.

Gewalt gegen Frauen ist eine der am weitesten verbreitete Menschenrechtsverletzungen. Gleichzeitig ist diese Gewaltform diejenige, die am wenigsten verfolgt wird.

Mehr Hilfe nötig

Wir müssen nach vorne blicken. Ich habe einen konkreten Aktionsplan entwickelt, um Gewalt gegen Frauen zu stoppen. Wir brauchen effektive Gesetze und die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden. Männer und Jungen müssen Partner für Gleichheit werden. Sie dürfen Gewalt gegen Frauen nicht tolerieren und wir müssen mehr in die Aufklärung investieren.

UN Women, die Einheit der Vereinten Nationen, die sich weltweit für die Gleichberechtigung der Geschlechter und für die Stärkung der Rechte der Frau einsetzt, führt eine globale Initiative an, damit Frauen und Mädchen unterstützt werden, wenn sie Opfer von Gewalt werden.

Das Mindeste, was wir für sie tun müssen, ist, sofort zu handeln, um sie zu unterstützen, telefonische Seelsorgedienste einzurichten, für sichere Unterkunft zu sorgen, sie nach einer Vergewaltigung psycho-sozial zu betreuen und ihnen kostenlose Rechtshilfe zu ermöglichen, damit sie ihre Rechte kennen.

Gewalt gegen Frauen ist nicht allein ein Frauenthema. Dieses Thema geht jeden von uns an. Wenn wir gemeinsam handeln, wird das zu mehr Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit führen.

Die Autorin ist Leiterin von UN Women, der Frauen-Organisation der Vereinten Nationen. Zuvor war sie Präsidentin von Chile.

Kontakt

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Fax: +49 (0)228 / 815-2777


Für Informationen und Presseanfragen zu den in Bonn ansässigen UNO-Organisationen:
Informationsstelle der Vereinten Nation in Bonn

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