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„Bindet uns stärker ein“ - Gastbeitrag in FAZ.NET, 9. Mai 2011

Vor UN-Gipfel
„Bindet uns stärker ein“

Vor dem UN-Gipfel der am wenigsten entwickelten Länder der Welt (LDC) in Istanbul sprechen sich der UN-Generalsekretär, der türkische Präsident und der LDC-Vorsitzende einem Gastbeitrag für FAZ.NET für eine stärkere Einbindung der LDC in die Weltwirtschaft aus.

Von Ban Ki-moon, Abdullah Gül und Jhala Khanal

In Istanbul können die Staats- und Regierungschefs zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: dem langsamen Wirtschaftswachstum wieder mehr Aufwind verschaffen und das Versprechen einhalten, Armut zu reduzieren und Hunger und Krankheiten in den 48 ärmsten Ländern der Welt zu bekämpfen.

Eine Gruppe von 33 afrikanischen und 14 asiatischen Ländern sowie Haiti vertritt einen gemeinsamen Wunsch: eine stärkere Einbindung in die globale Wirtschaft. In den letzten Jahren ist der Export aus den am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) um das Fünffache gestiegen, womit sich ihr Anteil am Welthandel verdoppelt hat. Dennoch produzieren die LDCs gemeinsam jedoch nur ein Prozent des weltweiten Exports und erhalten weniger als zwei Prozent der weltweiten Investitionen. Obwohl sie zwölf Prozent der Weltbevölkerung und 900 Millionen Menschen umfassen.

In diese Länder zu investieren, eröffnet die bisher wenig genutzte Möglichkeit, das Weltwirtschaftswachstum zu stimulieren, ohne die Handelsbilanzen der Entwicklungsländer zu verschlechtern. Die G-20 Staaten haben dies bei ihrem Treffen in Seoul im letzten Jahr deutlich gemacht. Die steigende Rohstoffnachfrage, eine breitere Wirtschaftsbasis und eine verstärkte regionale Zusammenarbeit haben in den vergangenen Jahren in vielen der LDC zu einem konstanten Wachstum geführt.

Nepal, das derzeit die Präsidentschaft der LDC innehält, ist typisch für diese Gruppe, die mit besseren sozialen Diensten, einer transparenten Regierungsführung und guter Umweltnutzung gute Geschäfte im 21. Jahrhundert machen. Dennoch sind die LDC weiterhin leicht verwundbar. Besonders der Klimawandel birgt viele Herausforderungen. Im Vergleich zu anderen Ländergruppen produzieren die am wenigsten entwickelten Länder nur eine geringe Menge an Treibhausgasen. Sie sind jedoch am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen. Das wirkt sich besonders auf ihre agrarorientierte Wirtschaft aus. Viele Länder stehen vor den Problemen verstärkter Wüstenbildung, eines steigenden Meeresspiegels oder tropischer Stürme. Andere Länder, wie Nepal, sind von den Folgen schmelzender Berggletscher betroffen.

Steigende Nahrungsmittelpreise sind ein weiteres Problem. Die meisten LDC sind Netto-Nahrungsmittelimporteure. Die Hälfte ihrer Bevölkerung lebt in extremer Armut. Jeder dritte Bürger ist unterernährt. Die Erträge der Landwirtschaft sind gering. Dementgegen bleiben große Ackerlandflächen ungenutzt.

Die möglichen Erzeugnisse könnten die Nahrungssicherheit erhöhen und das Steigen der Nahrungsmittelpreise dämpfen, das eine Bedrohung für die soziale und politische Sicherheit weltweit darstellt. Die meisten Maßnahmen werden auf der vierten UN-Konferenz zu den am wenigsten entwickelten Ländern in Istanbul diskutiert werden.

Die Entwicklungshilfen des Nordens waren großzügig und sind über die letzten Jahre kontinuierlich gestiegen. Wir hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Nur ein Viertel der derzeitigen offiziellen Entwicklungshilfe geht an die LDC. Entwicklungshilfe zahlt sich für alle Parteien aus. Sie kann zur Verbesserung der Infrastruktur, des Humankapitals und zur Sicherstellung eines effektiven Wissenstransfers beitragen. Diese Faktoren sind wichtig, um direkte ausländische Investitionen zu erhöhen. Der Aufbau von Kapazitäten wird ein wichtiger Schwerpunkt bei der LDC- Konferenz in Istanbul sein.

Darüber hinaus sollten mehr Anreize für Investoren geschaffen werden, damit sie an der Basis nationaler Wirtschaftssysteme ansetzen können und gefragte Primärgüter die Grundlage für eine weitere Diversifizierung sein können. Dies beinhaltet den Abbau von Handelsbarrieren für Exporte aus LDC und die Erfüllung von Verpflichtungen, die im Monterrey-Konsens und in der Doha-Erklärung zur Entwicklungsfinanzierung vereinbart wurden.

Studien haben gezeigt, dass ein hundertprozentiger zoll- und quotenfreier Zugang zu den Märkten kaum Einfluss auf heimische Hersteller in den Gastländern ausüben würde, LDC aber davon wesentlich profitieren könnten. Gleichermaßen würde eine Entlastung der LDC von ihrer Schuldenlast Ressourcen freisetzen und damit ihre Infrastruktur und ihre Produktionsleistung verbessern.

Eine Entwicklung, die uns neue Hoffnung gibt, ist die wachsende Rolle des globalen Südens. UN-Statistiken haben gezeigt, dass Unternehmen aus Schwellenländern im Jahr 2010 ihre ausländischen Direktinvestitionen auf ein Rekordniveau erhöht haben. Ein großer Teil dieser Investitionen fließt in die LDC. Mit wachsendem Handel und entsprechender Unterstützung dienen Länder, wie Indien, Brasilien, China, Südafrika und die Türkei als Vorbild für LDC im Rahmen der Süd-Süd-Kooperation.

Investitionen in LDCs machen alle zu Gewinnern: traditionelle Geberländer, Schwellenländer, den privaten Sektor - und am wichtigsten - beinahe eine Milliarde Menschen, die ein Recht auf sozialen Fortschritt und einen höheren Lebensstandard haben.

Abdullah Gül, türkischer Staatspräsident
Jhala Nath Khanal, Ministerpräsident von Nepal
Ban Ki-moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen

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