Donnerstag, 24 April 2014
UNRIC logo - Deutsch
                

Wichtige Aufgabe

jeremic

Interview mit Vuk Jeremic, Präsident der 67. UN-Generalversammlung

Der frühere serbische Außenminister Vuk Jeremic wurde im Juni zum Präsidenten der 67. UNO-Generalversammlung gewählt. Seine politische Karriere begann der 37-jährige Diplomat als Berater des jugoslawischen Telekommunikationsministers. Bereits in seiner fünfjährigen Amtszeit als Außenminister hatte sich Jeremic sehr für die Arbeit der Vereinten Nationen engagiert.

Das UN News Centre hat mit Jeremic kurz vor Beginn der 67. Generalversammlung gesprochen.

Warum hat Serbien in diesem Jahr für das Amt des Präsidenten der Generalversammlung kandidiert?

Vuk Jeremic: Jugoslawien, der politische Vorgänger Serbiens, war eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen und jahrzehntelang in der internationalen Arena sehr aktiv. Wegen des Krieges wurde es vor etwa 20 Jahren aus der Generalversammlung ausgeschlossen. In den letzten zwölf Jahren haben wir nun in Serbien eine Demokratie geschaffen und sind inzwischen ein verantwortungsvolles Mitglied der Weltgemeinschaft. Wir haben sehr hart für den Versöhnungsprozess auf dem Balkan gearbeitet und haben uns unseren Nachbarn wie auch der internationalen Gemeinschaft gegenüber geöffnet – sogar gegenüber den Staaten, mit denen wir in den letzten beiden Jahrzehnten bittere Konflikte ausgetragen haben. Wir haben also auch für das Amt des Präsidenten der Generalversammlung kandidiert, um ein Ende einer schmerzhaften Ära zu markieren. Für die Unterstützung vieler Staaten bin ich sehr dankbar. Ich glaube, dass Serbien mit diesem Amt eine führende Rolle in der Familie der Nationen einnehmen kann.

Angesichts dieser turbulenten Vergangenheit, was bedeutet es für Sie persönlich, diesen Prozess in so exponierter Position zu begleiten?

Ich denke, dass die Wahl zuallererst ein Vertrauensvotum für Serbien ist. Ich war als Außenminister sehr viel auf Reisen, habe während meiner zwei Amtszeiten etwa 100 verschiedene Staaten besucht. Es war da eigentlich nur logisch, dass mein Land mich für dieses neue Amt vorgeschlagen hat. Ich sehe es nun als meine wichtigste Aufgabe an, zu zeigen, dass Serbien in der Lage ist, eine der relevantesten und repräsentativsten Institutionen der Welt zu führen – die Generalversammlung der Vereinten Nationen.

Was sind Ihre Prioritäten für die kommenden zwölf Monate?

Das offizielle Thema der Generaldebatte ist die friedliche Beilegung von Konflikten bzw. die Vermittlung bei Krisen und die Konfliktprävention. Das schließt an die letzte Generaldebatte an. Es war uns wichtig, hier für Kontinuität zu sorgen. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Themen Konfliktprävention und Konfliktbeilegung die Kernaufgaben der internationalen Gemeinschaft ausmachen. Wir leben in sehr turbulenten Zeiten, es gibt eine Reihe von Krisenherden und wir glauben, dass die Vereinten Nationen die einzige Institution ist, die über ausreichend Legitimität verfügt, sich einzumischen und Lösungen zu erreichen.

Was werden Ihre größten Herausforderungen als Präsident der Generalversammlung sein?

Wir leben in einer sich ständig verändernden und oftmals unberechenbaren Welt. Wir scheinen umgeben zu sein von einer ganzen Reihe von Bruchstellen, die immer stärker zum Vorschein kommen und deren Folgen wir nur schwer abschätzen und kontrollieren können. Es ist schwer zu sagen, was in den nächsten zwölf Monaten passieren wird, vor allem in den unruhigen Ecken dieser Welt. Wir haben deswegen bisher nur 70 bis 80 Prozent unserer Zeit und Ressourcen fest verplant, die verbleibenden Prozent werden wir je nach Bedarf einsetzen, um auf aktuelle Entwicklungen kurzfristig reagieren zu können.

Wie denken Sie über die Finanzierungsengpässe, denen Ihr Büro nun ausgesetzt sein wird?

Meiner Meinung nach sollte die Weltgemeinschaft dem Büro des Präsidenten der Generalversammlung mehr Mittel zuweisen. Die meisten Nationen der Welt können sich ja auf dieses Amt bewerben. Es gibt aber reiche Nationen und es gibt arme Nationen, Nationen des Nordens und Nationen des Südens, mit jeweils ganz verschiedenen Regierungsformen. Dieses Amt ist eine der prominentesten Positionen, die ein Staat erreichen kann. Daher glaube ich, dass es nur fair ist, wenn diesem Amt auch adäquate Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Welchen Einfluss hat Ihr junges Alter auf Ihre Beziehungen zu Kollegen und Ihre Rolle auf der Weltbühne?

Es ist nicht der erste Job, bei dem mein junges Alter bei dem ein oder anderen für Verwunderung sorgt. Mit nur 32 Jahren wurde ich schließlich bereits serbischer Außenminister. Viele Menschen scheinen überrascht zu sein, widmen mir aber dadurch gleichzeitig auch mehr Aufmerksamkeit. Ich war in der Vergangenheit bereits ein häufiger Gast bei den Vereinten Nationen und habe daher aber auch das Privileg, bereits viele Freunde zu haben, die entweder für die Vereinten Nationen arbeiten oder in anderen diplomatischen Positionen tätig sind. Die wissen bereits, wie jung ich bin und werden daher wenig schockiert sein.

Sie sind ein großer Tennis-Fan. Werden Sie angesichts Ihres vollen Terminkalenders in Zukunft überhaupt noch Zeit für dieses Hobby finden?

Dieses Jahr habe ich es geschafft, mir die US Open anzusehen, genauso wie im letzten Jahr. Auch als Präsident der Generalversammlung werde ich versuchen vorbeizuschauen. Tennis hat einfach einen sehr zentralen Platz in meinem Leben eingenommen, nicht zuletzt bin ich auch der Präsident des serbischen Tennisverbandes. Überhaupt ist Tennis in Serbien sehr wichtig. Es gibt Länder, da bestimmen Fußball oder Basketball den Tagesrhythmus, bei uns ist das seit einigen Jahren auch Tennis.

Werden wir also bald ein Match zwischen dem UN-Generalsekretär und dem Präsidenten der Generalversammlung sehen?

Tatsächlich habe ich gerade heute mit dem Generalsekretär über Tennis gesprochen. Er ist ein sehr guter Freund von mir, wir haben uns schon oft sehr gut ausgetauscht. Im Juli war er mein letzter Besucher in meiner Zeit als serbischer Außenminister und da haben wir uns natürlich auch über Tennis unterhalten. Jedenfalls werde ich darauf bestehen, ihn zu den nächsten US Open mitzunehmen. Der erste Schritt wird also sein, ihn dazu zu bewegen, ein Tennismatch anzuschauen. Die nächste Phase ist dann, auf dem Platz gegen ihn anzutreten. Natürlich respektiere ich aber, dass er ein eingefleischter Fußballfan ist.

Kontakt

UNRIC Verbindungsbüro in Deutschland, Bonn
Tel.: +49 (0)228 / 815-2773 / 2774
Fax: +49 (0)228 / 815-2777


Für Informationen und Presseanfragen zu den in Bonn ansässigen UNO-Organisationen:
Informationsstelle der Vereinten Nation in Bonn

Tel.: +49-228-815-2776
Email: info@unbonn.org

Banner